Der Gründer und Leiter der südafrikanischen Malteser, Missionsbenediktiner aus der Erzabtei Sankt Ottilien, nutzt derzeit einmal mehr einen Besuch in seiner bayerischen Heimat, um über den Einsatz und die Errungenschaften der größten katholischen Hilfsorganisation Südafrikas im Kampf gegen Aids und Armut zu berichten. Der Kreisbeauftragte der Malteser, Maximilian Rauecker aus Traunstein, und Reichenhalls Dienststellenleiter Michael Soldanski hatten eingeladen.
Pater Lagleder brachte den leider nur sehr wenigen Zuhörern in Bad Reichenhall die Bruderschaft des Seligen Gerhard in Mandeni (Provinz KwaZulu/Natal im Osten Südafrikas) näher, die er vor exakt 20 Jahren gründete. Fünf Jahre zuvor, am 6. Januar 1987, ging der heute 57-Jährige nach Afrika, um seiner Berufung als Missionar Rechnung zu tragen. Heute ist er ein gefragter Vortragender, der die südafrikanische Bantu-Sprache Zulu mit allen Klick- und Schnalzlauten beherrscht.
Zwei Drittel der Menschen im Wirkungskreis von Pater Lagleder sind HIV- infiziert: „Wir werden deshalb die Aids-Hochburg der Welt genannt“, so Lagleder. Sein Hospiz ist rund um die Uhr im Einsatz und betreut knapp 1.000 Aids-Patienten. 5,6 Millionen Südafrikaner tragen den Virus in sich, so viel wie in keinem anderen Land dieser Erde (in Bayern sind es unter einem Prozent), 310.000 sterben pro Jahr daran. „Wir können diesen Menschen nicht nur helfen, mit der Krankheit bis zu 30 Jahre weiterzuleben, sondern auch ein selbstbestimmtes und gutes Leben zu führen“.
Die vielfältigen Dienste der Brotherhood of Blessed Gérard umfassen Gesundheitspflege-Projekte wie Hospiz, Aids-Behandlungsprogramm sowie Hilfsfonds für arme Kranke, Kinderpflege-Projekte (Klinik für unterernährte Kleinkinder, Kinderheim, Kindergarten), Stipendien-Fonds, dazu Nothilfe und soziale Projekte: Erste Hilfe, Notdienst, Nothilfe-Fonds, Katastrophenhilfe, Seniorenclub.
14 Einrichtungen wurden in elf Jahren geschaffen, im Zentrum steht HAART: Hoch-Aktive Anti-Retrovirale Therapie für mittellose Aids-Virus-Träger. 50 kleine Patienten hat Pater Lagleder in seiner Kinderklinik, die ihm besonders am Herzen liegt. Im Schnitt sind sie ein halbes Jahr bei ihm und seinem Team, ehe sie entlassen werden können. Die Kinder stecken sich erst bei der Geburt von der HIV-infizierten Mutter an, nicht schon vorher. Mit 40 Betten ist das Hospiz in Mandeni das größte in Südafrika. Zum Vergleich: Das umfangreichste deutsche Hospiz in Frankfurt am Main hat 20 Betten.
1,04 Millionen muss die Bruderschaft im Osten Südafrikas pro Jahr aufbringen, um ihre Hilfsorganisation mit 76 Haupt- und rund 1.300 Ehrenamtlichen am Laufen zu halten. Dabei macht der Posten Aids-Behandlung „nur“ noch gut 88.000 Euro aus, weil mittlerweile sogar staatliche Hilfen fließen. Dennoch zeigt Pater Lagleder in seinem Vortrag Schwächen und Träume gleichermaßen auf: „Wir arbeiten in einem benachteiligten Gebiet ohne Ballungszentrum. Wir können nicht nach Durban gehen, um für uns zu werben – dort wird schließlich selbst genug Geld benötigt“. Auf seinem Wunschzettel stehen die Erweiterung des Kinderheimes, die Verdoppelung des Kindergartens, ein Fußballplatz und neue Fahrzeuge – die alten tun’s nicht mehr.
Die Kraft für sein Wirken – und er benötigt reichlich davon, schließlich erlebt er es nicht selten, dass fünf Menschen an einem Tag dem Aids-Virus erliegen - erhält der Geistliche, wenn er sieht, aus welchem Elend, aus welchem Dreck seine Patienten kommen: „Und wie sie aufblühen, wenn man ihnen echte Liebe zeigt und schenkt – die meisten kennen das überhaupt nicht“. Damit geben Lagleder und sein Team den Menschen die Motivation, um für ihren Lebensunterhalt tatkräftig und selbstbestimmt aufkommen zu können.
Mit einem Gebet auf Zulu und der südafrikanischen Hymne „Gott segne Afrika“ verabschiedete sich Pater Gerhard Lagleder in Richtung Bad Wörishofen, um dort seinen nächsten Spendenmarathon zu starten.
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