Berchtesgaden: Ein Tabakwarenhändler über die „E-Zigarette“

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Dem E-Rauch erlegen...

1531.01.1231.01.12|Berchtesgaden|18 Kommentare
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Berchtesgaden - Sie ist in Deutschland gefragt wie nie - und umstrittener denn je: Die E-Zigarette. Ein Interview mit einem Tabakwarenhändler:

E-Zigaretten sind auf dem Vormarsch. Gegen die Tabakwaren haben sie bislang aber keine Chance beim Kunden.

© kp

E-Zigaretten sind auf dem Vormarsch. Gegen die Tabakwaren haben sie bislang aber keine Chance beim Kunden.

Karl Heinz Buxbaum raucht seit 50 Jahren. „Ich bin Opfer meines Berufs“, sagt er mit einem Lächeln. Denn seit 40 Jahren verkauft er in Bad Reichenhall und Berchtesgaden Tabakwaren. Seitdem die neue elektronische Zigarette, die E-Zigarette, auf dem Markt ist und Einzug in die Gaststätten hält, steigt die Nachfrage. Trotzdem ist sich Buxbaum sicher, dass das Tabakrauchen durch den E-Zigaretten-Konsum nicht verdrängt wird. „Für viele Nutzer ist das eine Notlösung. Bislang gibt es keine klare, rechtliche Regelung, wie mit der E-Zigarette in der Öffentlichkeit verfahren wird.“

In Bad Reichenhall verkauft er den einer gewöhnlichen Zigarette nachempfundenen Glimmstängel. In Berchtesgaden nicht. Warum? Es gebe einfach zu viel Auswahl, sagt er. Vier verschiedene Systeme, unzählige verschiedene Möglichkeiten, was Geschmack und Nikotingehalt angeht. Für ein einziges Zigaretten-System entscheiden möchte sich Buxbaum in seinem kleinen Ladengeschäft in Berchtesgaden aber nicht: „Egal, welches ich führe, es wäre das falsche“, sagt er. Die Nachfrage nach E-Zigaretten sei zwar noch überschaubar, aber sie häuft sich.

Karl-Heinz Buxbaum arbeitet seit 40 Jahren im Tabakwarenhandel. Seit einem halben Jahrhundert raucht er selbst.© kpKarl-Heinz Buxbaum arbeitet seit 40 Jahren im Tabakwarenhandel. Seit einem halben Jahrhundert raucht er selbst.Immer mehr Kunden erkundigen sich nach der „gewöhnungsbedürftigen, neuen Methode“. Nicht mehr vom Rauchen ist die Rede, sondern vom Dampfen. Denn zwar ist der Anschein gegeben, dass das, was aus dem Mund kommt, raucht. Beim „Rauch“ einer elektrischen Zigarette handelt es sich aber um Wasserdampf. Dieser entsteht beim Zerstäuben der nikotinhaltigen Tabakalkaloid-Flüssigkeit. Als wirkliche Alternative empfindet Buxbaum das Dampfen im Übrigen nicht: Vier bis sechs Minuten rauche man an einer Tabakzigarette.

„Man nimmt das mit der Psyche war“, weiß er. Anders beim elektronischen Glimmstängel. Eine Filterpatrone mit Aromastoffen entspricht der Menge von etwa zwei Schachteln gewöhnlicher Zigaretten. Und weil das so ist, ist der Bezug des Einzelnen zur E-Zigarette ein deutlich anderer. „Man hat einfach kein Verhältnis dazu, vor allem auch, wie lange man raucht“, sagt Buxbaum. Meistens sind es ein paar Züge, dann wird das elektronische Gerät wieder auf den Tisch gelegt. Ein Irrglaube in der Bevölkerung sei derjenige, dass die E-Zigarette zur Rauchentwöhnung eingesetzt werden könne. Denn: Die Zufuhr von Nikotin für den Körper entspricht den gewöhnlichen Mengen einer Tabakzigarette. Ob Buxbaum selbst das E-Rauchen auch schon ausprobiert hat? „Ja, natürlich, ich habe es schon getestet, war aber unzufrieden.“

Auch wenn der Trend zu günstigeren Zigarettenmarken geht – auf den E-Zigaretten-Zug ist die Masse der Bevölkerung noch nicht aufgesprungen. Obwohl dies wohl die günstigste Alternative wäre, sagt Buxbaum. Zwischen 39 und 69 Euro kostet ein Starter-Set. „Die Anschaffungskosten sind recht schnell amortisiert.“ Doch sind auch die gesundheitlichen Unwägbarkeiten groß. Bislang ist nicht geklärt, wie eine E-Zigarette in der Langzeitwirkung auf den menschlichen Körper wirkt. Klar ist, dass das Kondensat Teer nicht auftritt. Bei der Verbrennung von Tabak werden mehr als 12.000 chemische Substanzen freigesetzt, darunter viele krebserregende Stoffe. Wie sich das Ganze mit dem elektronischen Glimmstängel verhält, ist nicht ausreichend geklärt. „Es gibt keine aussagekräftigen Langzeitstudien“, weiß Karl-Heinz Buxbaum, selbst überzeugter Zigarettenraucher. „Wenn man zwischen lauter Tabakwaren arbeitet, ist die Rückfallquote groß.“

Sein Lächeln zeugt davon, dass er den Versuch, mit dem Rauchen aufzuhören, schon mehrfach angetreten hatte, dann aber immer gescheitert war. Neben Zigaretten sind es Zigarre und Pfeife, zu denen er regelmäßig greift. Immer dann, wenn der Genussmensch in ihm hochkommt. „Etwa bei einer guten Flasche Rotwein“, erzählt er.

Dass man derzeit vermehrt Raucher mit E-Zigaretten in Gaststätten beobachten kann, sei nur dem Umstand geschuldet, dass die Rechtslage bislang nicht eindeutig geklärt ist. Deshalb greifen auch so viele Kunden zum elektronischen Pendant, meint Buxbaum. In der Hoffnung, die Lage in Gastronomiebetrieben könnte noch auf Ewigkeit ungeklärt bleiben.

Zu lange sollte man nicht hoffen.

kp

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