Ende der "Springkraut-Invasion"?

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Nimmt sich das Springkraut in der Region zurück oder wuchert es weiter?
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Landkreis – Ist das Springkraut noch eine Gefahr für die Region? Vor einigen Jahren hat es sich enorm ausgebreitet, wurde teils vehement bekämpft. Wie hat sich die Lage entwickelt?

„Das Springkraut ist eine invasive Art, das heißt es hat sich sehr gut ausgebreitet“, erklärt Harald Lorenz. Er ist Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege beim Landratsamt in Rosenheim und kennt das Springkraut und seine Entwicklung. „Das indische Springkraut, das rosarot blüht und sich teilweise sehr flächendeckend ausbreitet, ist auf nährstoffreichen Boden angewiesen“, weiß der Gartenkultur-Experte. Im Laufe der Jahre habe es den Boden am eigenen Standort dermaßen ausgelaugt, dass es nun weniger gedeihe.

Es geht tatsächlich zurück. Dennoch stört es viele Landwirte, Gartler und Flussliebhaber, weil es oftmals genau da wuchert, wo satter Boden zu finden ist.

 Fast schon fällt es auf, dass das indische Springkraut langsam verschwindet. Entlang der vielen Bäche, Flüsse und Waldränder ist es sehr wohl noch gut zu erkennen, doch der Saum aus der rosa blühenden Pflanze ist deutlich geringer geworden, als noch vor einigen Jahren.

Das für viele als unnütz bezeichnete Gewächs wird nicht ganz aus dem Kreislauf der Natur verschwinden. In dem Bereich, wo man beispielsweise durch Überschwemmungen stets einen neuen Nährstoffeintrag hat, kann es auch zukünftig gut wachsen und sich halten.

Das Springkraut fühlt sich nach wie vor wohl in der Region, doch es ist schon weniger geworden

Harald Lorenz erklärt, dass in Bereichen, wo das Springkraut am Waldrand und auf Filzengrund wächst, beispielsweise in Griesstätt an der Filze, vor Jahren noch extrem starker und hoher Bewuchs festgestellt werden konnte. „Dies hat stark abgenommen und das Springkraut wächst deutlich niedriger und nicht mehr so buschig“. Die Imker dort beklagen bereits die reduzierte Tracht. „Das Springkraut hat nicht nur negative Seiten, sondern auch Positive“, so Lorenz. Diejenigen Imker, die in Springkraut-Gebieten ihre Bienenvölker angesiedelt hatten, brauchten unlängst nur noch ein Drittel des Zuckers im Vergleich zu früher. Das Springkraut gilt als besonderer Nahrungslieferant für die Bienen und trägt äußerst lange. „Die Bienen kommen fast wie Schneemänner nach Hause, weil sie in die Blüte kriechen müssen und der weiße Pollen die Bienen komplett einstäubt“.

Wird es weniger mit dem störenden Gewächs?

Der Hochpunkt der Ausbreitung des Springkrauts sei bereits seit einiger Zeit ausgereizt, langsam nehme die Population deutlich ab, berichtet der Kreisfachberater im Gespräch mit unserer Redaktion. „Diese Art braucht stets genügend Feuchtigkeit und genügend Nährstoffe. Wenn der Boden nährstoffmäßig ausgesogen ist, dann hat es keine Grundlage mehr und geht weg“.

Was war das mit dem gut gemeinten Aktivismus?

Vor einigen Jahren gab es vielerorts einen Aufruf, dem Springkraut durch Ausreißen ein Ende zu setzen.

Hat das aktive Zutun der Menschen etwas mit der Reduzierung des Gewächses zu tun? Der Kreisfachberater winkt ab. „Ganz klar nicht“. Zwar hätten sich viele Gruppierungen an öffentlichen Ausreißaktionen versucht, doch das Kraut komme immer wieder wenn ihm der Standort tauge, so Harald Lorenz.

Die Pflanze selbst habe viele Kraftreserven. Wenn die Pflanze einmal ausgesamt habe, könne davon ausgegangen werden, dass sich im Boden ein Samenvorrat für mehrere Jahrzehnte befinde, erläutert der Experte weiter.

Er selbst halte das Ausreißen von Springkrautpflanzen nur an sensiblen Standorten, wie etwa einen Orchideenstandort, für sinnvoll. „Wenn das Springkraut Orchideen überwuchert, dann gehören solche exponierte Plätze vom Springkraut kurzfristig befreit“. „Es wäre eine Illusion, zu denken, dass wir unsere Flussläufe und Bäche durch Ausreißaktionen von Unkraut befreien könnten, das geht nicht“ bringt es der Experte auf den Punkt.

Die Natur habe eigene Regeln und regle vieles auf seine Art und Weise, schiebt Lorenz nach.

Ist das Springkraut eine Gefahr für die Gesundheit?

Harald Lorenz berichtet, dass das indische Springkraut weder giftig noch gefährlich sei. Viele sind dennoch der Meinung, es könne Allergien auslösen. Bis zum ersten Frost blüht es, danach ist es konsequent kaputt. Ähnlich wie die Dahlie, ist das indische Springkraut äußerst frostempfindlich. Ansonsten hat es bislang keine natürlichen Feinde. „Momentan sind keine Schädlinge, Käfer, Raupen oder Pilze bekannt, die dem Springkraut den Gar ausmachen würden. Doch diese Dynamik ist vorher nicht abzusehen und bislang auch nicht in Aussicht“.

Quelle: rosenheim24.de

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