Neubauten an Kraftwerk und Stauwehr

Kraftwerk: Verbund geht in die Offensive

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Das Wasserkraftwerk in Töging soll umfassend modernisiert werden. Neben dem alten Wasserschloss soll zu diesem Zweck ein neues Kraftwerksgebäude errichtet werden.
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Waldkraiburg/Töging - Das Unternehmen Verbund informierte den Waldkraiburger Stadtrat über seine Pläne für das Kraftwerk in Töging - und verriet einige Details.

Das österreichische Unternehmen Verbund, das das Wasserkraftwerk in Töging umfangreich modernisieren möchte, geht mit seinen Plänen Schritt für Schritt an die Öffentlichkeit. Verbund wird voraussichtlich 200 Millionen Euro investieren - eine Summe, die bereits seit langem in den Medien kursiert und inzwischen auch von offizieller Seite bestätigt wurde. Aktuell besuchen Vertreter des Unternehmens die Stadt- respektive Gemeinderäte der Städte und Gemeinden entlang des Inns. Am Dienstagabend präsentierten Werkgruppenleiter Klaus Schöler und Projektleiter Bernhard Gerauer ihre Pläne dem Waldkraiburger Stadtrat.

Altes Stauwehr in Jettenbach soll rückgebaut werden

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Dabei wurde auch deutlich, dass die Modernisierung nicht alleine auf das Kraftwerk in Töging beschränkt sein wird - ganz im Gegenteil. Vor allem am Stauwehr in Jettenbach dürfte das Projekt deutliche Spuren hinterlassen. So soll das von 1919 bis 1924 erbaute und unter Denkmalschutz stehende Stauwehr komplett durch einen Neubau ersetzt werden. Man werde "im Unterwasser, also im Schutz des jetzigen Wehrs, ein neues Wehr bauen", erläuterte Gerauer. Das alte Wehr werde man dann rückbauen. Was das genau bedeutet, erklärte Gerauer auf Nachfrage der Stadträte: Das alte Wehr könnte komplett verschwinden. "Das ist unsere Projektvorstellung", so Gerauer. In Stein gemeißelt ist der komplette Rückbau des Wehrs also nicht, doch Verbund hält dieses Vorgehen nach derzeitigem Stand für sinnvoll.

Gerauer zufolge habe das Wehr "Schwächen", etwa beim Hochwasserschutz. Beseitige man diese Schwächen, müsse man sich fragen, was vom Wehr noch übrig bleibe, so der Projektleiter. Zudem stelle sich Gerauer zufolge dann auch die Frage, ob das alte Wehr ein Sicherheitsrisiko darstelle. Gerauer betonte, dass man mit den Denkmalschutzbehörden in Kontakt stehe. Das geplante neue, 50 Zentimeter höhere Wehr soll eine ganz andere Gestalt als das alte bekommen. "Das wäre kein Wehr mit einem Überbau, sondern ein Wehr, das sich in die Landschaft einbindet", so Gerauer.

Wasserschloss soll "vom Wasserdruck befreit" werden

Auch in Töging soll es einen Neubau geben, welcher direkt neben dem alten Kraftwerk errichtet werden soll. Dies geschieht Gerauer zufolge zum Schutz des alten Gebäudes, des denkmalgeschützten Wasserschlosses. "Im alten Kraftwerk was zu machen ist eigentlich nicht möglich", so Gerauer. Das historische Ensemble würde so "bis zur Unkenntlichkeit" verändert. Um das Wasserschloss langfristig zu erhalten, werde man es "vom Wasserdruck befreien". Die Wassermassen des Innkanals werden also bereits vor dem Wasserschloss um einige Meter abgeleitet, hin zum neuen Kraftwerk.

Durch die Maßnahmen in Jettenbach und Töging möchte Verbund mehr Wasser als bislang abführen und die Wassermassen mit einer 70 Zentimeter größeren Fallhöhe das neue Kraftwerk hinabstürzen hassen. Nach der Modernisierung erhofft sich Verbund vom Kraftwerk 25 Megawatt mehr Leistung und 120 Gigawattstunden mehr Arbeit pro Jahr. Wie bereits berichtet, könnten damit rund 35.000 Haushalte zusätzlich mit Strom versorgt werden.

Regelmäßige Sprechstunde bei Verbund

Verbund steht derzeit noch relativ am Anfang des Projekts. Im Moment werden alle erforderlichen Unterlagen zusammengestellt und Gespräche mit den Behörden geführt. Bis Mitte nächsten Jahres sollen die Unterlagen zusammengestellt sein, Mitte 2016 könnte dann der Bau beginnen.

Nach und nach wird nun die Öffentlichkeit über das Projekt informiert. Aktuell besuchen Vertreter von Verbund Stadt- und Gemeinderäte. Später soll es auch Bürgerversammlungen geben. Bereits jetzt gibt es eine regelmäßige Sprechstunde bei Verbund in Töging. Jeden ersten Dienstag im Monat stehen von 16 bis 18 Uhr Vertreter von Verbund interessierten Bürgern Rede und Antwort. Gerauer zufolge wird das Angebot auch angenommen, im Schnitt seien zehn bis zwölf Leute in der Sprechstunde. Der nächste Termin ist am 7. Oktober.

"Sind für den Hochwasserschutz nicht zuständig"

Die Waldkraiburger Stadträte zeigten sich insgesamt sehr zufrieden, mit dem Vortrag von Gerauer und Schöler - einige Nachfragen hatten sie dennoch. Stadträtin Eva Köhr (CSU) bemerkte, dass das neue, höhere Wehr in Jettenbach eine höhere Fischtreppe erforderlich macht. Gerauer erklärte, dass die bestehende Fischtreppe tatsächlich ergänzt werden müsse und dies bereits im Gesamtprojekt enthalten sei. Done Brunnhuber (UWG) wollte wissen, inwieweit im Rahmen des Projekts Hochwasserschutzmaßnahmen umgesetzt werden. Dazu erläuterte Gerauer, dass man für den Hochwasserschutz nicht zuständig sei. Die geplanten Maßnahmen dürften lediglich den bestehenden Schutz nicht verschlechtern.

Gerauer und Schöler war es wichtig zu betonen, dass die bisherigen Pläne nicht zwangsläufig genau so umgesetzt werden. Auch deshalb geht Verbund erst Stück für Stück an die Öffentlichkeit. Informiert Verbund die Öffentlichkeit vergleichsweise früh, könnte dies dem Unternehmen schließlich negativ ausgelegt werden, falls sich an den öffentlich kommunizierten Plänen etwas ändert. "Entweder man informiert zu früh oder man informiert zu spät", sagte Schöler.

Quelle: innsalzach24.de

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