"Ein neues Bild von der Welt gemacht"

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Der Papst mit der Trachtenjugend aus Valley.
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Region - Gleich mehrfach ist Toni Hötzelsperger vom bayerischen Trachtenverband dem Papst begegnet. Vor dessen Rücktritt nach Rom pilgern möchte er aber nicht.

Seit 2005 ist der frühere Kardinal Joseph Ratzinger das Oberhaupt der katholischen Kirche. Der Deutsche auf dem Heiligen Stuhl hat vielerorts für Pilgerfahrten nach Rom einen wahren Boom bewirkt. Toni Hötzelsperger vom bayerischen Trachtenverband, der selbst viele Male dem Papst begegnet ist, erinnert sich.

Mit Franz Josef Strauß zu Gast beim Kardinal

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"Momentan waren wir überrascht und ergriffen", schildert Toni Hötzelsperger den Moment, als Kardinal Ratzinger zum Papst gewählt wurde. Erst Schritt für Schritt sei ihm bewusst geworden, was für eine historische Einmaligkeit das sei. "Freudig, stolz und berührt" sei Hötzelsperger gewesen, schließlich kannte er den neuen Papst persönlich. 1987 war er dabei, als der Kardinal in Rom gemeinsam mit einer Delegation aus Deutschland - darunter Franz Josef Strauß - seinen 60. Geburtstag feierte. "Der Höhepunkt war die Privataudienz beim Papst", erzählt der 57-Jährige, dem Pilgerfahrten nach Rom schon immer viel bedeutet haben, ganz egal, ob ein Deutscher Papst war oder nicht.

Papst war den Trachtlern "innig verbunden"

Für viele Menschen in Deutschland wurde eine Pilgerfahrt nach Rom erst nach der Wahl Benedikts XVI. Interessant. "Das hat dann schon einen starken Impuls gegeben", so Hötzelsperger. Vor allem aus Marktl, dem Geburtsort Ratzingers, oder Rimsting, wo die Papstmutter 30 Jahre lang lebte, kamen deutlich mehr Pilger nach Rom als zuvor.

Sowohl die Gebirgsschützen, bei denen der Papst Ehrenmitglied ist, als auch die Trachtler haben Benedikt XVI. gleich mehrfach in Rom besucht. Vor etwa drei Jahren war Toni Hötzelsperger zuletzt mit dabei. "Man hat gemerkt, dass er ein Gespür hat für das Brauchtum", lobt der 57-Jährige, der gefühlt habe, dass sich der Papst mit seinen Gästen aus Bayern "innig verbunden fühlte". Auch an einen Besuch des Papstes in München erinnert sich Hötzelsperger mit Stolz. Gemeinsam mit dem damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler haben Trachtler und Gebirgsschützen Benedikt XVI. empfangen. "Es war eine große Ehrenformation."

Erster Reiseveranstalter plant Pilgerfahrt vor dem Rücktritt

So kurz vor dem Rücktritt des Papstes noch einmal nach Rom pilgern möchte Hötzelsperger jedoch nicht. Als Mitarbeiter des bayerischen Trachtenverbands hat er zwar schon ein konkretes Angebot eines Reiseveranstalters erhalten. Bis zum 28. Februar nach Rom zu fahren, hält der 57-Jährige aber für unangemessen. Sehen würde er den Papst aber schon ganz gerne. "Ob vor oder nach seinem Rücktritt, ist nicht von Belang", so Hötzelsperger.

Am 28. Februar wird Papst Benedikt XVI. zurücktreten. Das Kirchenoberhaupt wird sich mit einem kleinen Programm verabschieden, das auf die Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Ostern abgestimmt ist. Am 17. Februar beginnen für den Papst und die römische Kurie traditionell einwöchige Exerzitien.

Fotos von Pilgerfahrten nach Rom und Papstbesuchen in Deutschland:

Fotos von Pilgerfahrten und Papstbesuchen

"Er hat sich immer ein neues Bild von der Welt gemacht"

Nach mehreren Begegnungen mit Joseph Ratzinger, auch "im ganz kleinen Kreis", wie Hötzelsperger erzählt, fühlt er sich dem Papst auch persönlich verbunden. "Ich wünsche ihm, dass ihm das gelingt, was er sich vorgenommen hat." Ob dies viele Treffen mit alten Weggefährten beinhaltet, ist Hötzelsperger nicht so wichtig. Überhaupt glaubt der 57-Jährige, dass Ratzinger "das große Rampenlicht der Öffentlichkeit nicht suchen wird". Besuche des Papstes in Deutschland würden demnach eher im Stillen stattfinden.

Bei Ratzinger wie bei dessen Vorgänger Papst Johannes Paul II. ist Hötzelsperger deren Fähigkeit in Erinnerung geblieben, ihren Mitmenschen aufmerksam zuzuhören. "Was sie verbindet, war eine starke Ausstrahlung – die Ruhe, die Kraft." In Gesprächen sei Ratzinger "stets konzentriert und beobachtend" gewesen. "Er hat sich immer ein neues Bild von der Welt gemacht", schwärmt Hötzelsperger.

Der 57-Jährige glaubt, dass das Interesse an einem Besuch in Rom auch nach dem Rücktritt Benedikts XVI. nachhaltig bleiben wird. "Rom und jeder Papst, ganz gleich welcher Nation und welchen Namens, sind eine Pilgerreise wert. Das war, ist und bleibt etwas besonderes."

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Alexander Belyamna

Quelle: rosenheim24.de

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