Obdachlose Frau und ihr Kind finden keine Wohnung

Anita aus Soyen auf der Suche nach einem "Daheim"

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Anita H. im Gespräch mit wasserburg24.de-Reporterin Regina Mittermair. Die Frau wirkt hilflos und verzweifelt, die jetzige Bleibe (vorübergehend bereitgestellt von der Gemeinde Soyen) soll für ihre Tochter nur schwer erträglich sein. 

Soyen/Wasserburg - Eigentlich könnte alles relativ einfach sein. Doch viele Umstände lassen es nicht zu, dass Anita H. und ihre Tochter Nathalie eine bezahlbare Wohnung finden. Nun gelten sie als obdachlos.

Seit Herbst 2015 hat Anita H. schon keine Wohnung mehr. Zunächst war sie in Wasserburg gemeldet, hat hier auch in einer WG ein Zimmer gemietet gehabt. Die Räumlichkeiten stehen nun jedoch nicht mehr als Wohnungen zur Verfügung, Anita H. und ihre Tochter Nathalie mussten ausziehen. Zunächst wohnten sie für einige Zeit in einer Pension im Stadtgebiet von Wasserburg.

Doch die gebürtige Soyenerin, die als Kind hier auch zur Schule gegangen ist, musste sich zügig eine andere Unterkunft suchen. Gemeinsam mit ihrer 17-jährigen Tochter Nathalie zog Anita H. dann für viele Wochen in ein Hotel nach Soyen. Das Jobcenter bezahlte die Rechnungen, es gab jedoch Unstimmigkeiten. "Auf Dauer funktioniert das nicht", zeigt sich auch der Hotelier im Gespräch mit wasserburg24.de überzeugt. Dennoch beschäftigt es den Hotelier sowie weitere Soyener Bürger, wie es mit dem Wohnsitz der Frau weitergehen könnte.

Verzwickter Fall - wer ist zuständig?

Anita H. hatte Kontakt mit den zunächst noch als zuständig geltenden Ämtern der Stadtverwaltung Wasserburg. Stets soll man ihr geraten haben, sich selbst um eine Wohnung zu bemühen, auch wurde sie auf eine Art "Bedarfsliste" für eine Unterkunft gesetzt, heißt es. "Wir haben leider immer vermisst, dass Frau H. etwas mehr Eigenengagement entgegenbringt und Hilfestellungen annimmt", erinnert sich der geschäftsleitende Beamte der Stadt Wasserburg, Thomas Rothmaier.

Hilfestellung könne im Falle einer Obdachlosigkeit immer auch nur auf begrenzte Dauer gegeben werden, man müsse gemeinsam versuchen, auch mit Zutun der obdachlos gewordenen Person, einen Ausweg aus der Obdachlosigkeit zu erreichen, so Rothmaier weiter.

"Natürlich hat eine Kommune einen gesetzlichen Auftrag, doch es kann natürlich nicht nur an der Kommune hängen bleiben, es braucht dringend auch die Bereitschaft der Betroffenen, sich helfen zu lassen", betont der geschäftsleitende Beamte.

Kontakt mit der "Aktion für ein Leben" soll Anita H. zwar gehabt haben, doch Termine seien oft nicht eingehalten worden.

Hilflos in Soyen?

Anita begann ihre "Reise" von einem gemeldeten Wohnsitz in Wasserburg über eine Pension im Stadtgebiet bis zum vorübergehenden Aufenthalt in einem Soyener Hotel. Sie meldete sich nach etlichen Wochen auch in Soyen im Einwohnermeldeamt an. Somit ist die Rechtslage eindeutig: Die Gemeinde Soyen gilt nun als "verantwortlich", für die Obdachlose eine vorübergehende Unterkunft bereitzustellen. Anita H. arbeitet stundenweise im Bereich der Gastronomie in Wasserburg, ihre Tochter möchte ab September 2016 die Fachoberschule besuchen.

"Ich suche ja nach einer Wohnung, aber es ist sehr schwer, etwas zu finden", berichtet Anita H. im Gespräch mit wasserburg24.de-Reporterin Regina Mittermair.

Das Jobcenter Rosenheim würde der obdachlosen Anita H. und ihrer Tochter eine Wohnung bezahlen, die monatlich bis zu 380 Euro kostet. "Wenn es solche Wohnungsangebote gibt, dann stehen da dreißig, vierzig Leute an, da hab ich keine Chance", ist sich Anita H. sicher.

Bürger ärgern sich

Einige Soyener Bürger zeigen sich verärgert über die momentane Situation. Ein Geschäftsmann aus dem Gemeindegebiet wettert, die Gemeinde müsse sich hier vielmehr um eine Lösung kümmern.

Derzeit hausen Anita H. und ihre Tochter Nathalie in einem Mehrzweckraum im sogenannten Heizhaus der Gemeinde Soyen.

"Es ist der Raum, den sonst der TSV Soyen benutzt", erklärt Soyens Bürgermeister, Karl Fischberger.

Bett, Couch und Kühlschrank hat Anita H. mittlerweile, einen Ofen zum Kochen nicht. "Wenn wir duschen wollen, müssen wir uns in der Gemeinde einen Schlüssel holen, um im Schulgebäude die Dusche benutzen zu können", erzählt Anita H.

Ein Dixie-Klo steht zur Verfügung, für die 17-jährige Tochter sei es nicht erträglich, weint die Mutter.

"Warum nur kümmert sich die Gemeinde Soyen nicht besser um eine obdachlos gewordene Frau, wir haben im Gemeindegebiet von Soyen so viele ehrenamtliche Asylhelfer, warum nur ist es nicht möglich, dass man einer Einheimischen auch jede nur mögliche Hilfe zukommen lässt", poltert ein Soyener Bürger, der anonym bleiben möchte und auch umgehend im Telefonat mit wasserburg24.de-Reporterin Regina Mittermair betont, dass er in keinster Weise etwas gegen Asylbewerber oder die Hilfe für Flüchtlinge hat. "Aber es muss einfach gerecht ablaufen, wenn jemand Hilfe braucht", so der Mann.

Das sagt der Bürgermeister

Soyens Rathauschef Karl Fischberger kennt die Problematik. "Ich finde es aber schon sehr schade, dass jeder meint, nur wir als Kommune sind hier in der Pflicht", so Fischberger im Gespräch mit wasserburg24.de.

"Noch nie ist Frau H. zu mir gekommen, und nur gemeinsam, auch mit eigenem Engagement, kann man ihr und ihrer Tochter weiterhelfen oder die Situation besser machen", ist sich der Bürgermeister sicher.

Es fehle an der Bereitschaft von Frau H. gewisse Stellen zu kontaktieren und somit aus ihrer Obdachlosigkeit zu kommen. "Wir haben keine andere Räumlichkeit, die wir zur Verfügung stellen können. Frau H. kann die Sanitäranlagen im Schulgebäude nutzen", so Fischberger. Ein Dauerzustand sei dies nicht, doch die Unterbringung einer obdachlos gewordenen Person sei ohnehin nur eine vorübergehende Situation.

Wohin geht die Reise?

Anita H. fährt momentan nach Wasserburg in die Arbeit, finanziell ihren Alltag alleine bestreiten, kann sie mit dem Verdienst der stundenweisen Beschäftigung jedoch nicht. Das Jobcenter würde eine Wohnung mitfinanzieren, doch auf die Suche muss Anita H. alleine gehen. "Und genau das schaffe ich nicht, es gibt in der Region keine Wohnungen in dieser Preiskategorie oder die Bereitschaft der Vermieter, mir eine Wohnung zu geben, bei meinen Voraussetzungen, dass ich die Wohnung nur mit Unterstützung durch das Jobcenter bezahlen kann", zeigt sich Anita H. überzeugt.

Tochter Nathalie möchte ab Herbst gerne in die Fachoberschule nach Rosenheim gehen. "Wir bräuchten dringend eine Wohnung und es ist uns eigentlich ganz egal, ob in Rosenheim oder Wasserburg oder in einem Ort zwischen den beiden Städten", so Anita H. gegenüber wasserburg24.de.

Update:

Wir treffen uns diese Woche mit Anita, weil sich einige Leser mit Angeboten gemeldet haben. Ein Nachbericht folgt!

Mit einigen Bürgern aus Soyen hat sich wasserburg24.de-Reporterin Regina Mittermair unterhalten, viele bemängeln, dass die Frau und ihre Tochter quasi durch "viele Raster" der Gesellschafft fallen würden und daher mehr oder weniger auf sich allein gestellt seien. "Dieser Zustand der Unterbringung ist nicht richtig", findet eine Soyenerin. Wohlfühlen könne man sich nicht, meint eine Kundin des Dorfladens, die Anita H. schon öfter gesehen hat. "Wer kann mir denn helfen, damit ich meiner Tochter und mir ein Zuhause finden kann", weint Anita H.

Sie wirkt verzweifelt, hilflos und doch auch ein wenig kämpferisch, weil es um das Wohl ihrer Tochter geht. Sie selbst glaubt nicht daran, dass sie es schafft, eine Wohnung oder zumindest ein Zimmer für sich und ihre Tochter zu finden. "Wir brauchen keinen Luxus, nur etwas, wo wir uns wohlfühlen und nicht raus müssen in den Regen, wenn wir aufs Klo oder zum Duschen wollen", so Anita H. abschließend.

Quelle: wasserburg24.de

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