Emoticons breiten sich aus

Wenn Smileys ganze Wörter ersetzen

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Die Smileys werden mehr! Verstehen wir die Bilder-Sprache überhaupt alle richtig?
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Landkreis – Nicht nur auf Verkehrszeichen sind Symbole beliebt. Zunehmend ersetzen sie unseren Schriftverkehr via Computer und Handy. Aber: Verstehen Sie alles von der Smiley-Sprache?

Welche Laune haben Sie heute schon verschickt? Emoticons ersetzen zunehmend die Wörter in SMS-Nachrichten und emails. Statt auf einen Satz mit dem klassischen „Super“ zu antworten, wird kurzerhand ein Freude-Smiley verschickt.

Immer mehr kommen Symbolbilder zum Einsatz. Und immer mehr müssen wir versuchen, diese „Sprache“ zu verstehen. Weltweit einheitlich und doch regional unterschiedlich werden die virtuellen „Gefühlsmarker“ verwendet. Dabei liegen Smileys nach „Punkt Punkt Komma Strich, fertig ist das Mondgesicht“ weit weniger im Trend als die sich bewegenden Bildchen und Symbole. Meist werden die Zeichen vom Programm selbst in Icons umgewandelt.

Die Entwicklung

In den vergangenen fünf Jahren haben sich die Bewegungssmileys und real wirkenden Gesichter etabliert. Die Worte von Nachrichten werden weniger, die Bilder-Reihenfolgen ersetzen teils ganze Sätze.

Die Smileys werden mehr! Und ersetzen oft die Wörter

Im Interview mit wasserburg24.de erklärt Medientechniker Arni Machelsky, wie sich die Onlinekommunikation verändert habe: „Ein Empfänger erfährt durch eine Smiley-Nachricht viel darüber, wie es dem Absender geht. Denn die Sonderzeichen können viel Emotion preisgeben, daher auch der Name Emoticons, was so viel heißt wie der Mix aus Emotion und Icons – also Symbol“, so Machelsky. Dabei sei aber wichtig, zu unterscheiden, mit wem man in Form von Emoticons schreibt, so der Kommunikationsprofi. Forschungen hätten ergeben, dass Versuchsteilnehmer es negativ bewertet hätten, wenn etwa der Vorgesetzte zu viele Emoticons eingestreut hätte. Die Studie ergab, dass von den Teilnehmern erklärt wurde, dass ein Chef, der viele Smileys in Nachrichten einfließen lasse, an Autorität verliere und als wenig durchsetzungsfähig gesehen werden könne. Die richtige Mischung macht es.

Schnell ist gesagt, was man meint

Blitzschnell ist es möglich, sich mit Symbolen auszudrücken. „Ich benutze nur noch wenige Worte, weil es mit Smileys und Bildern eigentlich viel schneller geht“ findet Lissy. Die 16-Jährige aus Wasserburg schwärmt von der Möglichkeit, sich bildlich auszudrücken und hat ein paar Beispiele parat: „Wenn ich schreiben will, ob meine Freundin mit mir heute zum Schwimmen geht, weil die Sonne scheint und ich nachher noch in die Eisdiele will, dann schreib ich das mit einer Sonne, einem Schwimmenden Menschen und einem Eis. Sie antwortet mir dann mit einem Daumen nach oben und einer Uhr und sagt mir damit, dass sie mitkommt und wann sie dort sein soll. So einfach ist das“, erklärt Lissy.

Kurz und knapp ist auch für die Wissenschaft der „Zauber der Emoticons-Botschaften“. „Wenn wir mit Bekannten schreiben, wie das Wetter wird, dann ist eine Grad-Zahl langweilig“, so Machelsky. „Mittlerweile wird ausgedrückt, ob dem Versender der Nachricht kalt ist oder wie er es findet, dass es schon wieder regnet“. Gezielter Einsatz von Bildern kann hier vermitteln, dass wegen dem Regen die Party ausfällt oder es dem Schreiber nicht gefalle, dass es heute zu schneien begonnen habe. Eine Schneeflocke und ein missmutiger Smiley sage hier alles aus, was geschrieben werden müsse.

Zugegeben, diese Kommunikation geht schnell, aber eine berechtigte Frage kommt jetzt ins Spiel: Kann es passieren, dass man mal aneinander vorbei redet? Lissy gibt kleinlaut zu, dass es schon mal vorkommen kann, dass der Empfänger die Botschaft anders interpretiere. „Ich habe mal ein emotionsloses Smiley verschickt, also eines ohne Mund. Da wollte ich eigentlich drauf reagieren, weil mir eine Freundin ein Foto von sich geschickt hatte, mit ihrer neuen Frisur. Ich wollte damit sagen: WOW, und meine Freundin war beleidigt, weil sie dachte, ihre Haare gefallen mir nicht und ich hätte ein erschrockenes Smiley verschickt“.

Wie lange gibt es diese Stimmungs-Bilder schon?

Im Jahr 1963 kam ein Werbegrafiker auf die Idee, positive Stimmung mit einem Lachen oder eben einem Freude-Ausdruck zu übermitteln. Vielleicht hatte er den Kinderreim vom „Mondgesicht“ im Hinterkopf, vielleicht war es jedoch auch ein Zufall, dass ihm durch einen Doppelpunkt und einer Klammer nach links gelang, was nicht mehr wegzudenken ist aus Nachrichten. Das fröhliche Lächeln durch die Sonderzeichen hat sich mal mit „Nase“ mal ohne zu einem Hit entwickelt.

Mitte der 1990er – Jahre kam die Frage auf, ob dieses Smiley, das doch einen recht „starren“ Blick hat, überhaupt fröhlich genug aussehe, um Freude zu übermitteln? Die Zeichen wurden von einem Techniker zu Bildern verpackt, die vielen Symbole von Programmierern schnell zu einem Lexikon aus vielen Tausend Möglichkeiten des bildlichen Ausdrucks gestaltet. Immer wieder kommen Neue hinzu.

Gerade entwickeln Techniker von Kommunikationsunternehmen neue Icons, darunter mehr multikulturelle Bilder sowie den Stinkefinger.

Werden die Botschaften also immer mehr auch dazu genutzt, um sich gegenseitig zu beleidigen? „Nein, die positiven Bilder überwiegen immer noch“ belegt der Wissenschaftler. Dabei sei entscheidend, welcher Unterton herauszulesen sei, bei den unterschiedlichen Bildern, zeigen Studien.

Wer entscheidet über neue Symbole?

Das Unicode-Konsortium ist eine „Nicht-Regierungsorganisation“, die Standards für die Darstellung von Schriften auf Computern festlegt. Technisch gesehen sind diese Bilder ja eine Reihung von Schriftarteinheiten.

In dem Konsortium sitzen Vertreter von Internetfirmen wie Apple, Google, Microsoft oder auch SAP. Auch Staaten und Universitäten sind vertreten.

Neue Emoticons werden freigegeben, darunter auch der Stinkefinger im Jahr 2014. Die Software-Entwickler haben dann die Aufgabe, diese Symbole grafisch umzusetzen. So kann es sein, dass bei Android der Smiley anders wirkt, als beim System von Apple.

Manchen gefällt’s nicht

Weil Kritiker der Meinung sind, dass die digitalen Zeichen deutlich zu stark von westlichen Kulturen geprägt seien, versuchen Firmen vermehrt, multikulturelle Bilder auszugestalten. Bereits jetzt existieren mehr als 110.000 Zeichensymbole, die von den meisten Computern und Handys dargestellt werden können. Eine eigene Sprache, für die es bislang noch keinen VHS-Kurs gibt.

Doch Nachhilfe erteilen vielleicht die Jugendlichen den noch Unwissenden. Damit der Lauf der Zeit nicht in Gefahr gerät.

Lissy findet ohnehin, dass jeder über die gängigsten Bilder Bescheid wissen sollte. „Bin ich krank, will ich das schnell meiner Freundin schreiben, da reicht mittlerweile ein Bild von einer schniefenden Nase oder dem Fieberthermometer. Schon weiß sie Bescheid. Vielleicht wird in ein paar Jahren meine Mutter nicht mehr in der Schule anrufen müssen, wenn sie im Sekretariat sagen will, dass mein Bruder krank ist. Sie könnte dann ja auch ein Bild in die Schule schicken, und schon weiß der Lehrer, dass ein Schüler heute fehlt“, so die Schülerin abschließend.

Quelle: rosenheim24.de

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