Sie nahm eine Abkürzung

Schülerin (15) stürzt in Gletscherspalte: Ihr Rucksack rettete sie

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Eine 15-jährige Schülerin aus Bayern stürzte am Freitag, 07. August 2015 am Hallstätter Gletscher durch die Schneedecke in eine Gletscherspalte. Zufällig anwesende Bergretter konnten das Mädchen bergen.

Hallstatt - Riesenglück im Unglück hatte am Wochenende ein 15-jähriges Mädchen aus Kolbermoor (Kreis Rosenheim): Sie stürzte in eine Gletscherspalte, blieb stecken – und konnte gerettet werden. Dank ihres Rucksacks.

Sie wollte sich den langen Umweg sparen; statt den präparierten Hallstätter Gletscher-Pfad in Oberösterreich entlangzulaufen, verließ die 15-Jährige den Pfad. Das wurde ihr zum Verhängnis: Wie aus dem Nichts tauchte vor ihr ein Loch im Boden auf – eine Gletscherspalte, in die das Mädchen fiel.

Um zur Unterkunft, der Seethalerhütte auf 2741 Metern Höhe zu gelangen, musste die bayerische Wandergruppe mit vier Erwachsenen und fünf Kindern unter der Führung eines erfahrenen Übungsleiters am Nachmittag den Weg über den Dachsteingletscher nehmen. Auf dem Gletscher ist eine sichere Route markiert. „Wir haben den Kindern eingeschärft, auf dem gekennzeichneten Weg zu bleiben“, sagt der Vater des Mädchens. Die Erwachsenen gingen voraus. Plötzlich hörten sie Rufe. Als der Kolbermoorer sich umdrehte, war seine Tochter verschwunden. Offenbar hatte sie den Weg zur Hütte abkürzen wollen und den Pfad verlassen. Dort, wo sie gestanden hatte, klaffte nur noch ein Loch im Schnee.

„Der Vater und der Rest der Gruppe haben sich dann genau richtig verhalten: Sie haben einen Notruf abgesetzt und dem Mädchen ein Seil zugeworfen, an dem sie sich etwas festhalten konnte“, berichtet Michael Gruber, Bergretter der Bergwacht Hallstatt. Mit ihm beginnt die Glücksgeschichte: Denn durch Zufall war er in der Nähe – er hatte mit einem Bergretter-Freund eine private Klettertour gemacht, gemeinsam eilten sie den Bayern zu Hilfe. „Das Mädchen war da bereits sieben bis acht Meter in die Tiefe gerutscht“, erzählt er.

Doch ihr Glück im Unglück ging weiter: Durch den Rucksack auf ihrem Rücken blieb die 15-Jährige in der Spalte stecken. Außerdem hatte er eine isolierende Wirkung: Durch die Wärme vom Körper schmilzt das Eis um einen herum immer weiter – und man rutscht tiefer und tiefer. „Der Rucksack hat den Einschmelzprozess am Rücken verhindert“, erklärt Gruber.

Was nun folgte, war auch für einen erfahrenen Bergretter wie Gruber kein Routineeinsatz: Am Seil ließ er sich zu der 15-Jährigen, die bereits etwa eine Stunde in dem dunklen kalten Spalt klemmte, herab. „Sie war vom Schmelzwasser komplett durchnässt. Hat am ganzen Leib gezittert vor Kälte“, erinnert sich Gruber. Dazu kam die Panik. Eingeklemmt in einer Gletscherspalte, fällt das Atmen schwer, durch die Angst fehlt einem weitere Luft. „Das kann man nicht lange aushalten. Irgendwann droht man zu ersticken“, sagt der Bergretter. Er sicherte sie, befreite sie vom Rucksack – und ließ sie dann von den anderen Helfern an die Oberfläche ziehen.

Zwischenzeitlich traf der Notarzt ein, das Mädchen wurde stark unterkühlt und mit Abschürfungen und Prellungen am ganzen Körper ins Klinikum nach Salzburg geflogen. Sie durfte das Krankenhaus bereits wieder verlassen. Gruber sagt: „Es ist meist so, dass sehr viele unglückliche Umstände aufeinandertreffen und in eine Katastrophe führen. Hier war es genau andersherum. Das Mädchen hat Riesenglück gehabt.“

Von Katja Kraft und Klaus Kuhn

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