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Ärger mit Kontrolleuren: MVV stellt Mutter fiese Falle

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München - Erneut Ärger mit S-Bahn-Kontrolleuren in München. Hat der MVV einer Mutter mit Kind eine Ticket-Falle gestellt? Der Trick jedenfalls ist ziemlich gemein: 

Karin B. (37, Name von der Redaktion geändert) kann ihr Entsetzen kaum unterdrücken. Was die Münchnerin vergangene Woche am Donnerstag selbst miterlebte, nimmt sie jetzt noch mit: "Die haben die Frau absichtlich auflaufen lassen", erzählt Karin B. Im Stil eines "Schlägertrupp" sollen die Passagiere zur Kasse gebeten worden sein. 

Was war passiert? Karin B. war gegen 18.20 Uhr beim Besucherpark in die S8 Richtung Stadt eingestiegen. Die Managerin wird auf eine Situation am Nachbarsitz aufmerksam. Eine ausländische Mutter mit Kind, westlich gekleidet, ist sichtlich nicht in der Lage sich auf Deutsch auszudrücken. Die Frau zeigt zwei Kontrolleuren um die 30 Jahre den Fahrschein. Doch es gibt Probleme: "Wo wollen Sie hin, zum Hauptbahnhof?", fragt einer der beiden. "Ihr Ticket ist nicht bis zum Hauptbahnhof gültig." Die Passagierin versteht kein Wort, erklärt mit Händen und Füßen, dass sie am Flughafen einem fremden Mädchen Geld gegeben hat. Sie vertraute darauf, dass sie das richtige Ticket erhielt.
Die Schaffner ziehen wortlos weiter. Die Sache ist aber noch nicht ausgestanden.

"Die haben ihr richtig aufgelauert"

Haltestelle Hallbergmoos. Die beiden Männer warten, bis die S-Bahn wieder losfährt. Das beobachtet Karin B. "Die haben hinter der Frau gelauert." Dann fordert der Kontrolleur mit der schwarzen Jacke: "Sie zeigen mir jetzt ihren Ausweis!" Die Mutter zittert am ganzen Körper, traut sich nicht ihren Ausweis aus der Hand zu geben. Stattdessen versucht sie anhand eines Reiseplans zu erklären, wohin sie muss. Karin B. will vermitteln; die Kontrolleure weisen sie ruppig ab.

Wie ein "Schlägertrupp" abkassiert

"Die haben behauptet, sie hätten der Frau genau erklärt, dass sie an der Halteselle Hallbergmoos aussteigen muss, nun sei sie selbst schuld", erinnert sie sich. Entsetzt muss die Münchnerin mit ansehen, wie die Mutter mit Kind und Gepäck gewaltsam zum Aussteigen genötigt wird. Schließlich muss sie 60 Euro Strafgeld zahlen.

"Die haben ihr bewusst eine Falle gestellt und dann wie ein Schlägertrupp abkassiert." Die Geschäftsfrau will eigentlich nicht so ein Wort wie "Schläger" verwenden, aber sie sucht nach Worten, um ihre Hilflosigkeit über die Aggressivität der Kontrolleure zu beschreiben.

"Das kann doch nicht sein, dass die so brutal auftreten", meint sie, "die hätten der Frau doch auch erklären können, dass sie aussteigen muss und sich ein Ticket nachlösen." So sei das reine Abzocke.

Die Bahn will den Vorfall nun "genauestens prüfen". Die Kontrolleure hätten sich nicht korrekt verhalten, sagt ein Sprecher. Man gehe aber von einem Einzelfall aus. Der Sprecher weist auch darauf hin, dass gerade ausländische Gäste leicht eine Fahrkarte am Automaten bekommen, etwa durch das "Airport-City-Day-Ticket". 

Michael Praetorius: Niemand übernimmt Verantwortung

Wenig verwundert über den Vorfall ist der Münchner Journalist Michael Praetorius. Der hatte im Mai 2016 bundesweit für Aufsehen gesorgt, weil er sein MVV-Ticket aus Ärger über einen rüden Kontrolleur verbrannt hatte. Der Schaffner hatte in seinem Fall einer chinesischen Passagierin den Pass abgenommen und damit seine Rechte weit überschritten. Praetorius’ Video verbreitete sich im Nu über die sozialen Netzwerke und der MVV wurde mit Hunderten negativen Kommentaren bombardiert.

"Ich hatte denen die Möglichkeit gegeben zu reagieren", erklärt er im Gespräch. "Alles was denen eingefallen ist, war ein Treffen mit zwei Mitarbeitern, die mir zwei Stunden lang das Tarifsystem erklärten. Nichts von Innovation, keine Reaktion auf den Shitstorm und die vielen negativen Kommentare."

Anbindung zum Flughafen "allenfalls Kreisklasse"

"Auch bei diesem Vorfall wird sich wieder niemand zuständig fühlen: Die S-Bahn wird von der Deutschen Bahn betrieben, die MVG macht die U-Bahn, der MVV das Tarifsystem", erklärt Praetorius. "Dort schiebt man die Verantwortung gerne hin und her. Beschwerden werden wegverwaltet.“

Ärgerlich findet das auch ein Sprecher des Flughafens: "Der Flughafen München wird immer wieder mit Bestnoten bedacht, nur die Anbindung ist unser Manko und wird von Passagieren häufig kritisiert." "Allenfalls Kreisklasse" findet er die derzeitige Situation im Vergleich mit anderen europäischen Flughäfen.

Unser Kommentar: Standortnachteil S-Bahn

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Thomas Kaspar (tz.de, Merkur.de)

Quelle: rosenheim24.de

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