Rosenheimer Traditionsunternehmen im Schussfeld von PETA

Dr. Reheis von Gabor: "Irreführend und rufschädigend!"

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Rosenheim - Schwere Vorwürfe gegen die Firma Gabor hat die Tierschutzorganisation PETA erhoben: Es geht um katastrophale Bedingungen in Indiens Schlachthöfen - dort, wo Gabor unter anderem sein Leder einkauft. Gegenüber rosenheim24.de äußerte sich nun der Pressesprecher zu den Anschuldigungen:

Bereits über 37.000 Unterschriften (Stand: 24.08.2016) hat die von der Tierschutzorganisation ins Leben gerufene Online-Petition, die an den Rosenheimer Schuhhersteller Gabor gerichtet ist. In der Petition fordert PETA das Rosenheimer Traditionsunternehmen auf, komplett auf tierisches Leder in der Schuhproduktion zu verzichten.

Katastrophale Bedingungen in Indiens Schlachthöfen

Hintergrund sind die - oft katastrophalen - Bedingungen unter denen Kühe in Indien gemästet, transportiert und geschlachtet werden. Laut PETA werden die Kühe "entgegen den Gesetzen an Händler verkauft und auf überfüllte Lastwagen zum Schlachthaus gepfercht", was dazu führt "dass die Tiere übereinander fallen, aufeinander trampeln oder sich gegenseitig mit den Hörnern verletzen". 

Die Kühe werden "bei Nacht und Nebel in eines von über 30.000 illegalen Schlachthäusern gebracht, wo ihnen häufig bei vollem Bewusstsein die Kehle durchgeschnitten wird und die Tiere qualvoll verbluten", so PETA. Auf der Seite der Online-Petition finden sich zahlreiche grausame Bilder, die das Treiben dokumentieren sollen.

Gabor ist nun in die Schusslinie von PETA geraten, weil die Firma auch einen Teil seiner Schuhe aus Leder fertigt, das aus Indien stammt. Auf seiner Internetseite macht der Schuhhersteller auch kein Geheimnis daraus, der Großteil des Leders komme aber aus Italien. 

Dr. Reheis: "Gabor ist kein Schlachtbetrieb!"

rosenheim24.de hat Gabor zu den PETA-Vorwürfen befragt: "Eine Unverschämtheit, wie man unser Haus beschmutzt. Das ist irreführend und rufschädigend!", so Dr. Markus Reheis, Leiter Marketing und Kommunikation von Gabor. "Gabor ist kein Schlachtbetrieb!", so Dr. Reheis.

Nach Angaben von Dr. Reheis beschäftigt die Firma Gabor zwölf Mitarbeiter, die die Produktionsbedingungen in Indien überwachen. Die Lieferanten müssen einen sogenannten "Code of Conduct" unterzeichnen. In dieser Vereinbarung werden Dinge wie Arbeitsbedingungen, der Ausschluss von Kinderarbeit aber auch der Tierschutz vorgegeben.Dr. Reheis gab weiter zu bedenken, dass es aus Qualitätsgründen gar nicht möglich sei, das Leder aus illegalen Schlachthöfen ohne Qualitätskontrolle zu beziehen. 

Der wichtigste Punkt für Dr. Reheis ist zu den PETA-Vorwürfen aber der, dass die Tiere hauptsächlich zur Lebensmittelgewinnung geschlachtet werden. "Das Leder ist ein Abfallprodukt aus der Schlachtung", so der Unternehmenssprecher. Es wäre wohl wirklich wenig nachhaltig, die Tierhäute nach der Schlachtung einfach wegzuwerfen.

Der Unternehmessprecher wies außerdem darauf hin, dass Gabor keine exotischen Ledersorten zur Schuhproduktion verwendet.

Dr. Reheis: "Die Kunden wissen Lederschuhe zu schätzen"

Gabor stellt bereits Schuhe aus Materialien wie Latex, Canvas oder Mesh her. "Neue Materialien werden immer in Erwägung gezogen", beteuert der Unternehmenssprecher. "Allerdings gibt es bis heute keinen adäquaten Ersatz für den Werkstoff Leder was Tragekomfort, Flexibilität und Atmungsaktivität angeht", so Dr. Reheis gegenüber rosenheim24.de. Auch verweist Reheis darauf, dass "die Kunden Lederschuhe zu schätzen wissen".

Offizielle Stellungnahme von Gabor zu den PETA-Vorwürfen 

"Gabor setzt sich kontinuierlich mit der Weiterentwicklung seiner Schuhe und der Erweiterung des Sortiments auseinander. Dazu gehören auch Fragestellungen nach möglichen alternativen Materialien. So haben wir in den letzten Jahren verstärkt Schuhe mit veganen Ober- und Futtermaterialien, wie z.B. Mesh, Textil, Canvas oder Synthetik entwickelt. Bei den Laufsohlen verzichten wir schon seit einigen Jahren vollständig auf Leder.

Es ist jedoch bis heute noch nicht gelungen, einen Kunststoff zu entwickeln, der all die Vorteile des Naturproduktes Leder vereint: Die Dauerhaftigkeit, die Anpassungs- und Dehnfähigkeit, die hohe optische Wertigkeit und – besonders wichtig bei Schuhen – die Atmungsaktivität. Die Fähigkeit, Wasserdampf durchdringen zu lassen, ist für Schuhe essentiell, denn nirgends besitzt der Mensch eine höhere Dichte an Schweißdrüsen als am Fuß. Verbraucher achten aus Hygiene- und Gesundheitsgründen bewusst darauf. Wir verzichten vollständig auf Reptilleder und auf tierische Pelze (Lammfell setzen wir ein). Wir sind auch der Meinung, dass die Verwendung von Leder ein sehr nachhaltiger Ansatz ist, da Tierhäute anfallende Nebenprodukte der Nahrungsmittelproduktion sind, die ansonsten entsorgt werden müssten."

Pressemitteilung Gabor Shoes AG

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © ro24

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