Geschäftslage der M+E-Industrie in Südost-Bayern

"An der Digitalisierung kommt niemand vorbei"

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(v.l.) Andreas Bublak, Irene Wagner, Anton Kathrein, Günter Striegel und Felix Kleinert bei der Pressekonferenz der bayme vbm am Montag

Rosenheim - Die Metall- und Elektroindustrie bewerten ihre aktuellen Umsatzzahlen als gut. Sorgen bereitet den Unternehmen in der Region jedoch die Fachkräfte und die weltwirtschaftliche Lage:

"Gute Geschäftslage mit leicht verbesserten Erwartungen für das Inlandsgeschäft aber hohen Unsicherheiten im Ausland", so fasst Anton Kathrein, CEO der Kathrein Werke KG und Vorsitzender der bayme vbm Region Südost-Bayern, die aktuelle, konjunkturelle Lage der Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie im Raum Südost-Bayern knapp zusammen. Besonders die niedrigen Rohstoffpreise und der niedrige Euro-Kurs begünstigten diese Entwicklung.

Mit Sorge blickt die Industrie jedoch in Richtung der Türkei und auf den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union. Welche Chancen und auch Risiken dabei auf die Unternehmen zukommen könnten:

Geschäftslage: Was sagen die Unternehmen?

Am Montag präsentierte Anton Kathrein die Ergebnisse der jährlichen Befragung der Mitgliedsunternehmen der bayme vbm in Rosenheim. Die Arbeitgeberverbände wollten darin von den Firmen wissen, wie sie die aktuelle Lage rund um Inlands- und Auslandsgeschäft, aber auch Export einschätzen und mit welchen Erwartungen sie in die zweite Jahreshälfte blicken.

Insgesamt bewerteten die beteiligten Unternehmen die Situation als gut, so Anton Kathrein im Rahmen der Pressekonferenz. 44 Prozent bezeichneten ihr Inlandsgeschäft als positiv, nur 10 Prozent gaben an, nicht zufrieden zu sein. Beinahe gleiches Urteil auch zum Auslandsgeschäft, 41 Prozent waren zufrieden, 10 Prozent sahen die Situation eher skeptisch. "Die Beurteilung des Exportgeschäfts in Oberbayern fällt mit einem Saldo von +31,3 Punkten etwas schlechter aus als das inländische Geschäftsurteil mit +35 Punkten. Das zeigt bereits die zunehmende Verunsicherung der Unternehmen durch die gegenwärtige, weltwirtschaftliche Lage", so Anton Kathrein weiter. Ein Punkt, der sich bereits jetzt auf die Geschäftserwartungen für die Zukunft auswirke.

Zögerlicher Blick in die Zukunft

Über alle Teilbranchen hinweg hofften 15,6 Prozent der befragten Firmen auf eine Verbesserung des Inlandsgeschäfts, rund 8 Prozent befürchten künftig eine Verschlechterung. Anders beim Auslandsgeschäft: 10 Prozent rechnen mit möglichen Steigerungen, 13,5 Prozent gehen von negativen Folgen aus. 

Die Ertragslage sei sehr gut. 40 Prozent der Unternehmen hoffen auf eine Nettoumsatzrendite im Jahresdurchschnitt von vier Prozent und mehr. Auf der anderen Seite schreiben zehn Prozent der Unternehmen Verluste. Ein Umstand, der sich somit auch direkt auf die Beschäftigungssituation in den einzelnen Unternehmen auswirke, so der Vorsitzende des Gremiums weiter. "Der Beschäftigungsanstieg in der Region wird weitergehen“, so Kathrein. Mehr als 16 Prozent der Unternehmen wollen in der zweiten Jahreshälfte zusätzliche Jobs im Inland schaffen. Zehn Prozent müssen Stellen streichen.

"Im ersten Halbjahr 2016 sind in Bayerns M+E Unternehmen 9.000 zusätzliche entstanden, davon 4.000 in Oberbayern. Bis Ende 2016 rechnen wir mit weiteren 12.000 neuen Arbeitsplätzen, davon 4.500 in Oberbayern. Insgesamt werden wir am Jahresende 830.000 M+E Beschäftigte in Bayern haben, davon 246.000 in Oberbayern und 23.500 in Südost-Bayern," berichtete der Vorsitzende.

Die Investitionen wollen 17 Prozent der Unternehmen erhöhen, zehn Prozent müssen Kürzungen vornehmen.

IT-Branche wächst stark, Fachkräftemangel über alle Bereiche

Ergebnisse, die auch die Vertreter der heimischen Firmen nachvollziehen konnten. Ihr Augenmerk legten die Geschäftsführer der Firmen dabei auf die immer stärker an Bedeutung gewinnende Digitalisierung aber auch auf die Fachkräfteproblematik. Besonders in den IT-Unternehmen sei der Mangel an geeignetem Personal offenkundig, wie auch Andreas Bublak, Vorstand der COC AG aus Burghausen verdeutlichte: "Im vergangenen Jahr hatten wir ein Wachstum von 15 Prozent. Hätten wir alle offenen Stellen besetzt gehabt, hätten wir sicher nochmal 15 Prozent geschafft. (...) An der Digitalisierung kommt niemand vorbei. Hier wird uns die Arbeit sicher nicht ausgehen."

Ein Aspekt, den alle Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie zu spüren bekämen, so Anton Kathrein ergänzend. Und auch der zunehmende Konkurrenzdruck verstärke die Situation zunehmend.

Eher skeptisch blickte Felix Kleinert, Geschäftsführer der Netzsch Pumpen & Systeme GmbH aus Waldkraiburg auf die Situation. "Das Öl- und Gas-Geschäft ist in der Vergangenheit sehr stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Das hat natürlich auch das Investitionsverhalten unserer Kunden gedämpft", so der Hersteller von Pumpensystemen in diesem Bereich. Hinzu kämen noch die Entwicklungen in der Türkei und dem Vereinigten Königreich. "Diese Länder sind für je rund 2 Prozent unseres Umsatzes verantwortlich. Wir verfolgen die Situation und sind sehr beunruhigt," so Felix Kleinert. Und weiter: "Wir hoffen, dass die Konjunktur wieder anspringt. Solange muss dann auch die Kostenbremse greifen. (...) Beim Personal werden wir entsprechend Anpassungen vornehmen, das werden wir sehr vernünftig angehen."

Quelle: rosenheim24.de

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