Insider: Tim ist nicht in der Türkei

Kämpft Rosenheimer Schüler gegen den IS? 

  • schließen
  • Weitere
    schließen
  • schließen

Rosenheim - Seit Mitte Februar wird der nun 18-Jährige Tim K. vermisst. Seine Mitschüler des Finsterwalder-Gymnasiums und natürlich auch seine Familie sind in Sorge.

Wie berichtet befasste sich der junge Mann in der letzten Zeit intensiv mit der Situation der Kurden und reise sogar schon mehrfach in die Region. 

Fasziniert von der Idee einer basisdemokratischen Zivilgesellschaft

Das Titelbild der damaligen Ausgabe von "muscovado" (August 2015). Tim und ein weiterer Redakteur schrieben den Leitartikel.

Gegenüber rosenheim24.de gab nun Anselm Schindler von der Redaktion der Rosenheimer Zeitschrift "muscovado" ein Statement zum Vermisstenfall ab. Tim K. hatte für "muscovado" im Leitartikel "Kurdistan: Kampf um Kobanê" aus dem Kriegsgebiet an der türkisch-syrischen Grenze berichtet. Die Ausgabe erschien im August 2015. Im linken Kulturzentrum "Z" hielt er zusammen mit einem weiteren "muscovado"-Redakteur über ihre Reise und die dortigen Erlebnisse direkt an der Front gegen den IS einen Vortrag. Im September 2015 reisten sie erneut in die umkämpften kurdischen Gebiete und berichteten danach erneut in Vorträgen davon. 

Sie zeigten sich angetan von dem dort gelebten "demokratischen Konföderalismus", der Idee einer basisdemokratischen Selbstverwaltung als Gegenmodell zu den diktatorischen und islamistischen Bestrebungen in der Region. 

"Tim hat keinen Kontakt zur PKK"

Anselm Schindler schließt auf Anfrage von rosenheim24.de aus, dass sich Tim im türkischen Gebiet aufhält: "Weder steht Tim in Kontakt mit Volksverteidigungseinheiten der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), noch nimmt er an Kampfhandlungen auf Seiten der Befreiungsbewegung in den vom türkischen AKP-Regime belagerten Gebieten teil."

Zwar habe er in den kurdischen Gebieten Kontakte zu bewaffneten Einheiten gehabt, bei diesen handelt es sich jedoch um "Verteidigungseinheiten der YPG/YPJ, die in Rojava, also den befreiten Gebieten im Norden Syriens, seit der Revolution 2012 unter basisdemokratischer Selbstverwaltung durch die Bevölkerung stehen."

Diese Abgrenzung ist Schindler sehr wichtig, "weil die Unterstützung der PKK in Deutschland einen Straftatsbestand darstellt". 

"Verlässliche Informationen aus seinem Freundeskreis"

Auf die Frage, ob sich Tim dann möglicherweise in Nordsyrien befindet, hieß es von Schindler lediglich: "Wir wissen nur sicher, dass er sich nicht auf türkischem Staatsgebiet aufhält." Man beziehe sich dabei auf "verlässliche Informationen aus seinem Freundeskreis". 

Bei seinem Vortrag im "Z" hatte Tim auch um Spenden für die Verteidigungseinheiten der YPG/YPJ geworben. Damit sollten neue Waffen und Kriegsgerät gegen den IS erworben werden, weil es an Hilfe durch die internationale Staatengemeinschaft für diesen Kampf fehle. 

So nährt sich der Verdacht, dass der junge Mann aus Rosenheim nun selbst in den bewaffneten Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat in Syrien eingestiegen sein könnte - auf Seiten der Kurden. Seine bisherigen Recherche-Reisen, mit denen er in Deutschland über die Situation der Kurden aufklären wollte, könnten ihm nicht mehr ausgereicht haben. 

Hat Tim nun zum Gewehr statt zum Stift gegriffen? Wollte er sich noch mehr mit den Kurden solidarisieren? Antworten auf diese Spekulationen kann nur er selbst geben. 

mg

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © red

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser