Immer mehr Orte ganz ohne Geschäft

Ladensterben: Die dramatischen Zahlen aus dem Landkreis

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Ein Beispiel von vielen: Die leerstehende Metzgerei Eicher in der Trostberger Altstadt.

Landkreis - In 500 Gemeinden in Bayern gibt es kein einziges Lebensmittelgeschäft mehr, immer mehr kleine Geschäfte müssen aufgeben. Wir haben uns die Lage in unserer Region angeschaut. 

Mal schnell Milch und Zucker aus dem Laden um die Ecke holen? Das ist in mehr als 500 Ortschaften in Bayern überhaupt nicht möglich, denn dort gibt es kein einziges Lebensmittelgeschäft mehr. In 157 Dörfern müssen die Einwohner sogar zum einfachen Semmelholen ins Auto oder aufs Fahrrad steigen, denn dort gibt es nicht einmal einen Bäcker oder Metzger. Jede vierte Kommune in Bayern ist in Sachen Lebensmitteleinzelhandel nicht ausreichend versorgt. Das belegen die Zahlen, die BR-Data, die Firma Trade Dimensions und die bayerische SPD nun veröffentlichten. So sieht die Lage in unseren Landkreisen aus.

Berchtesgadener Land

Die Zahl der Lebensmittelgeschäfte ist in den vergangenen zehn Jahren um 23 Prozent zurückgegangen. 17 Läden weniger sind es absolut. Der traurige Spitzenreiter in unserer Region. Das Berchtesgadener Land ist auch von allen Landkreisen in Oberbayern am stärksten betroffen.

In zwei Orten im Landkreis gibt es kein Lebensmittelgeschäft: Marktschellenberg und Schneizlreuth. Die Orte gelten sogar als unversorgt, das heißt es ist nicht einmal ein Bäcker oder Metzger im Ort. Marktführer im Landkreis Berchtesgadener Land ist mit deutlichem Abstand Edeka mit insgesamt 26 Filialen.

Während in den meisten oberbayerischen Städten und Kreisen im vergangenen Jahr weniger Gründer in die Selbstständigkeit starteten, verbucht der Landkreis Berchtesgadener Land mit 855 Gewerbeanmeldungen einen deutlichen Aufschwung (plus von 4,4 Prozent).

Landkreis Traunstein

Auch im Landkreis Traunstein gibt es einen Geschäftsrückgang von 13,5 Prozent - insgesamt 17 weniger als im Jahr 2005. Gleichzeitig stieg die durchschnittliche Verkaufsfläche pro Laden um etwa ein Fünftel, heißt: Kleinere Läden verschwinden, größere werden größer.

Vier Gemeinden im Landkreis gibt es, die kein Lebensmittelgeschäft mehr haben: Petting, Taching, Staudach-Egerndach und Wonneberg. In den beiden letztgenannten gibt es auch keinen kleinen Bäcker oder Metzger mehr. Marktführer ist mit 53 Filialen Edeka. Als Gegenbewegung wurden in Hammer, Schleching und Frabertsham Dorfläden gegründet.

Landkreis Rosenheim

In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Lebensmittelgeschäfte um elf Prozent zurückgegangen. Insgesamt sind das 17 Läden weniger. Die durchschnittliche Verkaufsfläche nahm gar um ein Drittel zu. Das deutet darauf hin, dass kleinere Läden verschwunden sind, während sich größere Märkte gehalten oder sogar neu eröffnet haben.

In drei Orten im Landkreis gibt es gar kein Lebensmittelgeschäft mehr: Ramerberg, Eiselfing und auf der Fraueninsel. Marktführer ist Edeka mit 60 Filialen. Als Gegenbewegung haben Bürger in Evenhausen, Pfaffenhofen und Sachrang eigene Dorfläden gegründet.

Die Lage in der Stadt Rosenheim sieht dagegen anders aus: Dort ist die Zahl der Läden sogar gestiegen. 

Landkreis Mühldorf

Mit 4,6 Prozent ist der Rückgang an Lebensmittelgeschäften im Landkreis Mühldorf am geringsten. Es sind nur drei Läden weniger als vor zehn Jahren. Allerdings hat auch die Einwohnerzahl in der Zeit abgenommen.

Sieht man genauer hin, merkt man, dass das Versorgungsniveau aber ohnehin schon schlecht war. Es sind ganze 14 Orte die keinen Lebensmittelladen haben: Lohkirchen, Oberbergkirchen, Schönberg, Unterreit und in Aschau, Erharting, Heldenstein, Jettenbach, Kirchdorf, Niederbergkirchen, Niedertaufkirchen, Oberneukirchen, Rattenkirchen und Zangberg gibt es darüber hinaus auch keinen Metzger oder Bäcker. Mit 27 Filialen heißt auch hier der Marktführer Edeka. Andererseits gibt es in fünf Orten auch eigene Dorfläden, so zum Beispiel in Mittergars, Ramsau oder Mettenheim.

Die Gewerbeanmeldungen im Landkreis Mühldorf gingen um 16,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück.

Landkreis Altötting

Der Landkreis hat mit einem Rückgang von 11,8 Prozent gegenüber 2015 einen relativ starken Rückgang an Lebensmittelgeschäften zu verzeichnen. Es sind insgesamt acht Geschäfte weniger, doch auch im Kreis Altötting ging die Gesamtbevölkerung zurück

In Halsbach und Teising gibt es kein Lebensmittelgeschäft mehr, in Mehring, Stammham und Tyrlaching darüber hinaus auch keinen Metzger oder Bäcker mehr - sie gelten damit als unversorgt. Edeka ist mit 27 Filialen Marktführer.

Nord-Süd-Gefälle in Oberbayern

In Oberbayern ist die Lage demnach nicht ganz so dramatisch wie im Osten Bayerns (Beispiel Wunsiedel). Doch auch hier müssen viele Dorfbewohner ohne Lebensmittelgeschäft, manche sogar ohne einen Bäcker auskommen. In den oberbayerischen Landkreisen zeigt sich ein Nord-Süd-Gefälle: Hat sich an der Supermarkt-Versorgung nördlich von München seit 2005 nicht viel geändert oder ist diese zum Teil sogar besser geworden, zeigt sich im Alpenvorland ein anderes Bild.

mh/xe

Quelle: rosenheim24.de

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Xaver Eichstädter

Xaver Eichstädter

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