"Gegen manche Veramerikanisierung wehren"

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Landesvorsitzender Max Bertl mit Fraktionsvorsitzender Margarete Bause.

München - Mit CSU und FDP hatte sich der Bayerische Trachtenverband schon getroffen. Jetzt waren die Grünen dran.

Den Dialog mit allen im Bayerischen Landtag vertretenen Fraktionen will der Bayerische Trachtenverband pflegen. Nach dem bereits heuer erfolgten Gesprächsaustausch mit der FDP und mit der CSU trafen sich Landesvorsitzender Max Bertl und Mitglieder seiner Vorstandschaft mit der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Vertreten war die Fraktion durch ihre Vorsitzende Margarete Bause, durch die Haushalts- und Gleichstellungs-Sprecherin Claudia Stamm sowie durch die Abgeordnete Christine Kamm.

98 Prozent der bayerischen Bevölkerung fühlt sich laut einer Umfrage des Bayerischen Rundfunks im Freistaat wohl. Dieses starke Wohlfühlgefühl hängt mit vielen Faktoren zusammen, unter anderem vom gesellschaftlichen und kulturellen Beitrag der Trachtler, aber auch –so Margarete Bause – vom Schutz von Natur, Landschaft und Artenvielfalt. „Unwiderbringliches dürfen wir nicht zerstören“, so die Fraktionsvorsitzende, die auch für den Erhalt der Kleinteiligkeit in der bayerischen Landwirtschaft nach dem Motto „Global denken, lokal handeln“ warb.

Vor einem Jahr organisierte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen erstmals einen großen Heimattag. Im Falle, dass diese Art der Veranstaltung wiederholt wird, soll der Bayerische Trachtenverband mit seinen über 800 Heimat- und Volkstrachtenvereinen, mit seinen 165.000 erwachsenen Mitgliedern, mit gut 100.000 Jugendlichen und mit der erstaunlichen Anzahl von über 72.000 Probenveranstaltungen allein im Jahr 2012 mit eingebunden werden. „Heimat ist da, wo es mir nicht egal ist, was um mich herum passiert“ sowie „In die Heimat wird man nicht nur hineingeboren, Heimat kann man sich auch schaffen“ und „Heimat grenzt nicht aus“ –diesen Heimat-Begriffs-Definitionen folgte eine intensive Diskussion mit den Vertretern des Bayerischen Trachtenverbandes.

Nach Ehrenvorsitzendem Otto Dufter („Die Frauenquoten-Diskussion ist unnötig wie ein Kropf“) und Schriftführerin Hildegard Hoffmann („Trachtler unterstützen Handwerksbetriebe und sorgen für Arbeitsplätze“) sprach Jugendvertreter Günter Frey das Motto an „Das Gute Alte wollen wir erhalten und das Neue mitgestalten“. Dies galt vor allem für die Bereiche Ganztagesschule (mit zukünftig möglichem Wahlfach „Tradition“), für die Wertschätzung des Ehrenamtes („Viele Betriebe wollen bei der Einstellung Ehrenamtliche, aber bei deren Freistellung für ihre Aufgabenerfüllung hapert es dann“) und für die Integration von Migranten. Günter Frey sprach sich diesbezüglich offen für ein besseres Kennenlernen zwischen Migranten und Trachtlern sowie für eine Integration der Migranten und ihrer eigenen Kultur aus, allerdings bat er auch um Verständnis, dass die Jugendleiter keine vollumfänglichen Sozialarbeiter sind.

„Grenzbedingt stehen wir im aktiven Kulturaustausch mit unseren Nachbarn, zugleich wollen wir aber auch unsere eigene Brauchtumsart wahren und uns gegen manche Veramerikanisierung wehren“ – so Erich Tahedl und Jürgen Hoffmann vom Gauverband Oberpfalz. Weitere Themen der Erörterung waren das Elterngeld und die Bürokratie.

Marianne Hinterbrandner als Erste Vorsitzende vom Altbayerisch-Schwäbischen Gauverband (mit 35 Vereinen mit 5000 Mitgliedern) machte deutlich, dass die Ehrenamtlichen im Verein, im Ort und im Gau mehrfach gefordert werden und dass einige bei der Flut an Aufgaben und Terminen in Haftungs- und Organisationsfragen oftmals überfordert werden.

Treffen des Trachtenverbands mit den Grünen

Im Rahmen des Dialogs wurde den Vertreterinnen der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen der Bayerische Trachtenverband in Form einer Filmpräsentation vorgestellt. Dabei wurde auch auf das zukunftsprägende Trachtenkulturzentrum in Holzhausen hingewiesen, dessen Archivar Wolfgang Gensberger ebenso am Gespräch teilnahm wie Klaus Reitner als stellvertretender Landeskassier. Mit dem Austausch von Büchern (Max Bertl übergab das Werk „Trachtenlandschaft Bayern“ und Margarete Bause bedanke sich mit dem Buch über das Lebenswerk von Sepp Daxenberger) sowie mit dem Versprechen, dieser erstmaligen Begegnung weitere Kontakte folgen zu lassen, endete das Trachtler- und Grünen-Treffen im Bayerischen Landtag.

Quelle: rosenheim24.de

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