Haderthauer verärgert über Ansehen von Karrierefrauen

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Christine Haderthauer ist verärgert über das Ansehen von Karrierefrauen.

München - Die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) ärgert sich über das geringe Ansehen von Frauen in Führungspositionen und empfiehlt: Erst anpassen, dann Ruder übernehmen.

Männer sind an diesem Abend Mangelware. Kaum ein Dutzend sitzt zwischen hunderten Frauen, die es weit gebracht haben und nun dafür kämpfen, dass andere Frauen ihrem Vorbild folgen. Das gemeinsame Ziel lautet: Mehr Frauen in Spitzenjobs. Bei der Podiumsdiskussion am Montagabend in München rät Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) den Frauen, die männlichen Spielregeln der Macht erstmal gründlich zu studieren - und sie sich dann zunutze zu machen.

“Frauen müssen lernen, was Männern wichtig ist“, sagt Haderthauer. In CSU-Sitzungen habe sie sich anfangs gewundert, wie viele Männer in langen Beiträgen inhaltlich wenig Neues sagten. “Ich merkte, dass ich ins Hintertreffen geriet mit meinen kurz-knapp-effektiv Wortmeldungen“, sagt die Ministerin. Also habe sie angefangen, sich dem männlichen Verhalten anzupassen und länger zu reden, um überhaupt gehört zu werden. “Die Länge von Beiträgen hat etwas von Revierverhalten.“

Bislang schafft kaum eine Frau den Weg in die Chefetagen der großen deutschen Konzerne. Gerade einmal 2,5 Prozent der Vorstände der größten 200 Unternehmen sind laut Sozialministerium weiblich. “Das ist fatal für die deutsche Wirtschaft“, sagt HypoVereinsbank- Vorstand Theodor Weimer, der sich seit langem für die Förderung von Frauen in der Wirtschaft einsetzt. Um mehr Firmen für dieses Ziel zu gewinnen, startet das Bundesministerium für Familie und Frauen an diesem Mittwoch (10. November) eine Initiative gemeinsam mit neun großen Unternehmen wie Daimler oder der Allianz Deutschland. Als Vorreiter gilt die Telekom. Im Frühjahr verpflichtete sich der Konzern dazu, bis zum Jahr 2015 rund ein Drittel aller Führungsposten mit Frauen zu besetzen.

Frauen werden nach Ansicht von Haderthauer bei der Vergabe von Top-Posten auch deshalb übergangen, weil Firmen eine Schwangerschaft und damit den Ausfall aus dem Job befürchteten. Dies sei ein “kollektives Risiko“, das die Frauen tragen müssten. Aber auch die Frauen, die es schließlich schafften, seien weder bei Männern noch bei Frauen gut angesehen. “Wenn Frauen ins kalte Wasser springen, dann sind sie nicht durchsetzungsstark und selbstbewusst, sondern hysterisch und ehrgeizig“, sagt Haderthauer.

In Bayern startete die Metall- und Elektroindustrie im Sommer ein Modellprojekt, um mehr Frauen in Top-Positionen zu bringen. 23 Unternehmen wie Siemens oder Halbleiterhersteller Infineon ziehen mit. In der Branche liegt der Anteil weiblicher Führungskräfte im Freistaat nach Verbandsangaben bei nur 12 bis 15 Prozent.

Die Podiumsteilnehmerin und Wirtschaftsexpertin Elke Holst hält nicht mehr viel von Selbstverpflichtungen der Unternehmen, auch in der Vergangenheit hätte dies nicht geklappt. Sie setzt auf die umstrittene Frauenquote per Gesetz: “Das scheint nur mit größerem Druck zu gehen.“

dpa

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