DWD kündigt Neuerung an

Unwetterwarnungen bald für jede einzelne Gemeinde möglich?

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Der Deutsche Wetterdienst kündigt Unwetterwarnungen auf Gemeindeebene an. Funktioniert das auch bei uns in der Region?

Landkreis - Die groben und ungenauen Unwetterwarnungen sollen ein Ende haben. Das hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) im Gespräch mit rosenheim24.de angekündigt. In Zukunft sollen für jede einzelne Gemeinde Prognosen getroffen werden können. Wie ist das möglich?

Der Sommer ist angekommen: Meteorologen sagen einen deutlichen Temperaturanstieg, ja sogar einen Sprung bis zu 36 Grad, an. Diese positive Nachricht wurde von vielen sehnsüchtig nach der Schlechtwetterperiode der vergangenen Wochen erwartet. Starkregen, Gewitter und ordentliche Windgeschwindigkeiten machten uns im bisherigen Juni zu schaffen.

Doch der sommerlichen Euphorie wird schnell schon wieder Einhalt geboten: Im Zuge der steigenden Temperaturen sind ab dem Wochenende wieder heftige Unwetter mit schweren Gewittern, Starkregen, Sturmböen und Hagel möglich. Das Wort Unwetter können einige unserer Leser schon gar nicht mehr hören. Vor allem das ständige Herausgeben von Unwetterwarnungen durch den DWD stößt bei vielen auf. Diese sehen sich dann in ihrer Kritik an den DWD-Vorhersagern bestätigt, wenn das angekündigte Unwetter dann überhaupt nicht eintritt.

Bereits Anfang der Woche ging rosenheim24.de im Gespräch mit dem Leiter der DWD-Niederlassung in München, Volker Wünsche, dieser mangelnden Präzision auf den Grund. Dabei kündigte Wünsche eine Besserung durch Unwetterwarnungen auf Gemeindeebene an, die der DWD in naher Zukunft umsetzen werde. rosenheim24.de hakte nun in einem erneuten Telefongespräch mit Herrn Wünsche nach, wie dieses große Vorhaben in unseren Landkreisen umgesetzt werden soll.

Wie und wo werden Wetterdaten in den Landkreisen gemessen?

Wettermesstation

Bei dem Telefongespräch schilderte Wünsche zunächst, wie und wo die meteorologischen Daten überhaupt erfasst werden. "In den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Altötting und Mühldorf gibt es tatsächlich nur eine amtliche, große Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes", so Wünsche. Diese befinde sich in Mühldorf am Inn. Allerdings gäbe es eine Vielzahl an automatisch arbeitenden Niederschlagsstationen in allen der genannten Landkreisen. Diese könnten aber nur, wie es der Name bereits andeutet, Niederschlagsdaten feststellen.

Andere Wetterstationen, wie beispielsweise in Chieming oder in Rosenheim wären in privater Hand und nicht vom DWD. Auch die Wetterstation am Funtensee, der wegen seiner Minusgrad-Rekorde berühmt ist, sei privat. Die Messstationen in Chieming und am Funtensee betreibt beispielsweise die MeteoGroup.

Eine Messstation für kommunale Unwettervorhersagen - ein Widerspruch?

"Keinesfalls", beantwortet Wünsche die berechtigte Frage. "Der Deutsche Wetterdienst greift auf diverse verlässliche Datenquellen und nicht nur auf die Ergebnisse seiner eigenen Stationen zurück. Die Messungen privater Stationen, Blitzortungsstationen und Vor-Ort-Beobachtungen von Personen werden natürlich auch berücksichtigt und ergeben somit ein lückenloses Bild", fährt Wünsche fort.

Außerdem gäbe es permanente Wetterbeobachtungen mittels Radar- und Satellitenaufnahmen, die die DWD-Experten selbst in den Zentralen vornehmen würden. Grundsätzlich gelte je mehr zuverlässige Daten eingespeist werden, desto präziser und genauer seien dann auch die Prognosen und Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes, fasst Wünsche zusammen.

"Kein Unterschied von heut auf morgen"

So solle auch die angedachte kommunale Unwetterwarnung funktionieren. Aber der DWD-Fachmann mahnt vor einer zu hohen Erwartungshaltung: "Bei dieser Präzisierung auf Gemeindeebene handelt es sich um eine Revolution in der Wettervorhersage. Wir sind jetzt nach Jahren der Forschung so weit, dass wir mit diesem Vorhaben an die Öffentlichkeit gehen können. Wie bei jeder Neuentwicklung benötigen wir aber noch eine gewisse Zeit, bis dieses System völlig ausgereift in der Praxis funktioniert. Es wird jetzt also keinen signifikanten Unterschied von heute auf morgen geben."

Die wesentliche Neuerung sei weniger das enorme Angebot an Daten, sondern die technischen Möglichkeiten der Auswertung und Verarbeitung dieser Informationen. Durch diesen Fortschritt würden die Rechner, aufbauend auf die ausgewerteten Daten, permanent Modellrechnungen ausführen, aus denen dann eben auch für kleine Regionen eine genaue Vorhersage entstehen könne, so Wünsche abschließend 

mwi

Quelle: rosenheim24.de

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