Notruf europaweit unter 112

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Bergretter im Einsatz: Oft zählt dabei jede Sekunde.

Landkreis - Seit 2009 ist der 11.2. europaweit der Tag der Notrufnummer 112. In allen 27 Staaten der EU soll man damit Hilfe rufen können. Wenn denn alles klappt...

Seit 2009 ist der 11. 2. europaweit der Tag der Notrufnummer 112. In allen 27 Staaten der EU kann man nämlich unter dieser einheitlichen Notrufnummer Hilfe holen, zumindest mit dem Handy - und wenn alles passt.

Skifahren auf Winklmoos mit der Familie: Ein schöner Tag, der Schlepplift bringt Monika B. und ihren zwölfjährigen Sohn nach oben. Plötzlich stürzt im Steilstück ein Stück vor ihnen eine zehnjährige Snowbordfahrerin und bleibt mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen.

Monika B. steigt sofort aus dem Lift aus und kümmert sich um das Mädchen, das sich offensichtlich schwerer verletzt hat. Gottseidank hat sie ihr Handy dabei und die 112 im Kopf. Und tatsächlich bekommt sie eine Verbindung. Doch am anderen Ende meldet sich nicht die Leitstelle Traunstein, die eigentlich zuständig wäre, sondern eine österreichische Stimme. Der Polizist aus Zell am See - die zuständige Polizei-Dienststelle in Lofer ist gerade nicht besetzt - kann der Anruferin gar nicht weiter helfen: Winklmoos kennt er nicht, und für Rettungsdienst fühlt sich der Beamte auch nicht zuständig.

Aber er könne sie vom Alpin-Notruf in Innsbruck zurückrufen lassen. Das geschieht dann nach einigen Minuten auch - mit deutlichem Unterton: Für deutsches Gebiet sei man nicht zuständig, die Melderin solle doch gefälligst bei der richtigen Nummer anrufen... Monika B. gibt auf. Sie schickt ihren Sohn zur Liftstation, von dort wird endlich die Bergwacht verständigt. "Man muss sich mal vorstellen, wenn das in einem richtigen Notfall passieren würde, wo es auf die Minute ankommt", ärgert sie sich, und: "Ich kümmere mich und muss mich auch noch blöd anreden lassen. Da ist mir wirklich nichts mehr eingefallen."

Fehlgeleitete Notrufe

Die Leitstellen in Traunstein und Rosenheim wissen nicht von vielen solchen irrgeleiteten Notrufen, aber es gibt sie - beispielsweise auch am Sudelfeld und überhaupt in den Bergen in Grenznähe. Denn im Notruf sucht sich das Mobiltelefon eigenständig das stärkste Netz, und das kann auch in Deutschland das österreichische sein - und umgekehrt.

Damit beginnt das Problem, denn: Mit 112 kommt man zwar in Europa an eine immer besetzte Notrufstelle. Doch das ist nur in Bayern die Integrierte Leitstelle für Rettungsdienst und Feuerwehr, in den anderen Alpenländern dagegen die Polizei. Und die kann zur Bergrettung allenfalls weiterverbinden oder die Meldung weitergeben.

112 gilt in ganz Europa

Trotzdem will Gerhard Jäckl, der stellvertretende Leiter der Leitstelle Traunstein, ungern auf die jeweils nationalen Nummern für den Rettungsdienst verweisen. "Die 112 ist in ganz Europa freigeschaltet, auf die sollte man sich schon konzentrieren", findet er. Wenn in Bayern ein Notruf für Österreich ankommt, sei das ja auch kein Problem: Man stehe im direkten Kontakt mit den österreichischen Leitstellen und gebe die Daten sofort weiter, versichert er.

Im Grenzgebiet würden sich ja auch die Rettungsdienste grenzüberschreitend aushelfen, heißt es bei den Rosenheimer Kollegen. Der Hubschrauber aus Kufstein beispielsweise fliegt regelmäßig Einsätze in den bayerischen Bergen. Etwas zurückhaltender ist man bei der "Leitstelle Tirol" in Innsbruck mit Empfehlungen. "Am besten ist man mit der Notrufnummer dran, die in dem jeweiligen Land gilt." Da seien einfach die Spezialisten gleich an der Strippe.

Diese Nummer für den Rettungsdienst ist aber überall eine andere - und für die Bergrettung noch einmal eine eigene. Wer viel in den Alpen unterwegs ist, sollte sich die nationalen Varianten daher vielleicht doch besser einspeichern.

Ansonsten gilt: 112 wählen und von einem ersten "tut mir leid..." nicht verunsichern lassen. In allen Ländern wird man mit dieser Nummer nämlich letztlich doch irgendwie seinen Notruf los werden.

Karl Königbauer (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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