Prozess am Landgericht Traunstein

Folterprozess: Eklat bei Urteilsverkündung

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Traunstein/Burghausen - Am Dienstag fiel das Urteil im Burghauser Folterprozess. Die Angeklagten wurden zu jahrelanger Haft und zum Teil auch zur Entziehungsanstalt verurteilt:

Update 15.10 Uhr - Das Urteil:

Im Prozess gegen die drei jungen Männer aus Burghausen ist soeben das lang erwartete Urteil gefallen. Sollte die Entscheidung des Gerichts Rechtskraft erlangen, müssen alle drei Angeklagte für einige Jahre ins Gefängnis.

Der Angeklagte D. wurde zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt, zudem wurde angeordnet, dass er in eine Entziehungsanstalt verbracht wird. Vorher muss er allerdings drei Jahre und einen Monat in Haft verbringen. Seine beiden Mitangeklagten müssen für sechs Jahre und drei Monate beziehungsweise sechs Jahre und sechs Monate ins Gefängnis.

Der Angeklagte M. muss zudem ebenfalls in eine Entziehungsanstalt. Er muss zuvor für zwei Jahre und sieben Monate in Haft. Die Haftbefehle gegen die drei jungen Männer bleiben bestehen. Der vorsitzende Richter Dr. Klaus Weidmann begründete dies mit dem hohen Fluchtanreiz.

Das Gericht folgte mit seinem Urteil weitgehend der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte in ihren Plädoyers geringere Haftstrafen, in einem Fall sogar eine Bewährungsstrafe beantragt.

In seiner mündlichen Urteilsbegründung unterstrich Weidmann die vergleichsweise schwierige Vergangenheit der jungen Männer, die auch von Alkohol- und Drogenkonsum geprägt war. Auch unmittelbar vor der Tat konsumierten die beiden Angeklagten D. und M. Alkohol und Cannabis. Anschließend fasste Weidmann noch einmal ausführlich die Geschehnisse der Tatnacht, ein fünfstündiges Martyrium für das Opfer, zusammen.

Während der ausführlichen Urteilsbegründung gab es einen kleinen Eklat. Angehörige eines Angeklagten kommentierten die Worte des Vorsitzenden zunächst mit Kopfschütteln, schließlich zeigte eine Angehörige auch noch den "Vogel". Das Gericht ermahnte die Angehörigen daraufhin und das Verhalten der Zuhörer wurde ins Protokoll aufgenommen. Zuvor hatten bereits andere Angehörige den Saal die Türe knallend verlassen.

Vorbericht:

Vor über einem Monat war der Prozessauftakt, am Dienstagnachmittag soll endlich das Urteil im Prozess gegen drei junge Männer aus Burghausen wegen erpresserischen Menschenraubs, versuchter und vollendeter besonders schwerer räuberischer Erpressung, besonders schweren Raubs und gefährlicher Körperverletzung fallen. Die drei Angeklagten sollen einen Mann im Januar 2014 über Stunden in einer Wohnung gefangen gehalten und schwer misshandelt haben.

Am letzten Verhandlungstag wurden bereits die Plädoyers gehalten. Die Staatsanwältin beantragte für den Angeklagten D. eine Haftstrafe in Höhe von acht Jahren. Für die beiden Mitangeklagten forderte die Staatsanwaltschaft Haftstrafen von sechs Jahren und sechs Monaten, beziehungsweise sechs Jahren und zehn Monaten. Die Verteidiger plädierten auf geringere Haftstrafen. Im Falle des 23-jährigen C. beantrage die Verteidigung gar eine Bewährungsstrafe.

Martyrium soll fünf Stunden gedauert haben

Über fünf Stunden soll das Martyrium des 32-jährigen Opfers gedauert haben. In dieser Zeit sollen die drei Angeklagten, die zwischen 21 und 23 Jahre alt sind, den Mann in einer Wohnung in Burghausen gefangen gehalten und gefoltert haben. Mit mehreren Waffen sollen sie ihn bedroht und schwer verletzt haben. Nach Angaben eines Gerichtsmediziners am zweiten Verhandlungstag, trug der 32-Jährige über 30 unterschiedliche Verletzungen an Kopf, Hals, Rumpf und den Gliedmaßen davon.

An den ersten beiden Verhandlungstagen legten die drei Angeklagten bereits ein Teilgeständnis ab. Einer der beiden 21-Jährigen räumte dabei die Vorwürfe weitgehend ein. Der 23-jährige mutmaßliche Täter D. belastete hingegen seine beiden Mitangeklagten. Und auch der dritte Beschuldigte erhob seinerseits schwere Anschuldigungen gegen den Angeklagten D. Später schilderte das Opfer die Geschehnisse der Nacht. Am fünften Verhandlungstag ging dann der Vorsitzende Richter Dr. Klaus Weidmann mit dem Opfer noch einmal jedes Detail der Tatnacht durch, vor allem um die einzelnen Tatvorwürfe den verschiedenen Angeklagten zuzuordnen.

Quelle: innsalzach24.de

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