Kartenfälscher hinter Gittern

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Rosenheim - Mit Hightech-Geräten hat eine rumänische Bande zwischen Mai und Oktober vergangenen Jahres auch in Rosenheim die Daten von Bankkunden ausgespäht und Konten abgeräumt.

Jetzt wurden die Haupttäter vom Rosenheimer Amtsgericht hinter Gitter geschickt.

Die Betrügerbande hatte sich auf Bankfilialen konzentriert, deren Geldautomaten nicht per Video überwacht wurden. Um an die Daten der EC-Karten zu kommen, stülpten die Täter einfach eine identisch aussehende Schale über den Türöffner. Wenn ein Bankkunde seine Karte in das Gerät steckte, um das Foyer zu betreten, kopierte ein Lesegerät unbemerkt die Daten des Magnetstreifens.

Um an die passende Pin-Nummer zu kommen, wurde entweder über dem Automaten die Attrappe eines Rauchmelders montiert, in dem eine Minikamera installiert war, oder direkt am Automaten über dem Tastaturfeld eine unauffällige Leiste angebracht, ebenfalls mit einer Kamera bestückt. Nach mehreren Stunden entfernten die Täter diese Utensilien wieder unbemerkt. Mit den ausgespähten Daten fertigten sie falsche Karten, mit denen sich aus dem Ausland die Konten plündern konnten.

Nachdem man im Mai 2008 zwei der Täter in Holzkirchen auf frischer Tat ertappt und verurteilt hatte, war klar, dass die Bande im Raum München, Rosenheim und in den umgebenden Landkreisen bereits tätig geworden waren.

Auf die Spur eines Hintermannes kam die Polizei durch einen Aufgriff der Schleierfahnder auf der Autobahn München-Salzburg. Am 16. Oktober 2008 kontrollierten sie einen Skoda mit rumänischem Kennzeichen. Im Wagen fanden die Beamten eine komplette Ausrüstung zur Ausspähung von Bankkarten und Pin-Eingaben. Einer der beiden Fahrzeuginsassen, ein 29-Jähriger, hatte einen Fingerabdruck auf einem der Geräte der beiden in Holzkirchen festgenommennen Männer hinterlassen. Auf seinem Laptop fanden die Beamten darüber hinaus Daten von Bankkarten, die am 13. Mai 2008 in einer Bank in Rosenheim ausgespäht worden waren.

Dafür hatte der 29-Jährige eine simple Erklärung: Er habe den Laptop gebraucht in der rumänischen Stadt Craiova erworben, was er auch mit einer Rechnung belegen konnte. Mit den Dateien habe er nichts zu tun.

Eine Erklärung, die die Vorsitzende Richterin Jaqueline Aßbichler nicht zufriedenstellend fand. Sie forderte über das Bundeskriminalamt eine Auskunft aus Rumänien über die Firma an, die auf der Laptop-Rechnung angegeben war. Laut den rumänischen Behörden gibt es die Firma zwar, sie handle aber ausschließlich mit Verpackungen für Lebensmittel.

Zu einem Geständnis war keiner der beiden Angeklagten zu bewegen. Nach fst zwei Monaten und fünf Verhandlungstagen wies die Richterin offenkundig nutzlose Beweisanträge der Verteidigung ab und bat um die Plädoyers. Oberstaatsanwalt Jürgen Branz erklärte, es seien bei dieser enormen kriminellen Energie kaum Entlastungsgründe zu sehen. Er habe kein Geständnis, keine Einsicht und keine Reue erkennen können. Deshalb forderte er für den 29-jährigen Haupttäter die Höchststrafe von vier Jahren Gefängnis. Der zweite Angeklagte, offensichtlich ein Mitläufer, müsse mit einer Gefängnisstrafe von drei Jahren bestraft werden.

Rechtsanwalt Dr. Markus Frank bemühte sich, die vorgetragenen Argumente zu entkräften. Kein Gegenbeweis seines Mandanten sei wirklich widerlegt worden, weshalb er einen Freispruch aus Mangel an Beweisen wollte. Dieser Argumentation schloss sich auch Rechtsanwalt Jörg Peer Bengestrate aus München für den zweiten Angeklagten an.

Das Gericht folgte dem Antrag des Oberstaatsanwalts. Zu unwahrscheinlich und konstruiert schienen die Erklärungen der Angeklagten. Zumal der Wortführer sich in seinen Angaben teils selbst widersprochen, teils offenkundig gefälschte Dokumente benutzt hatte.

Das Gericht verhängte gegen den Haupttäter eine Gefängnisstrafe von drei Jahren und zehn Monaten. Der Mittäter kam mit zwei Jahren und sechs Monaten davon.

Im Schlusswort erklärte die Richterin: "Wenn man weiß, dass diese Art der Delikte durch einreisende Täter sich in Bayern von 2007 auf 2008 verfünffacht hat, ist auch aus Gründen der Generalprävention eine deutliche Bestrafung angezeigt."

au/ku/Oberbayerisches Volksblatt

Sicherheitstipps am Bankautomaten

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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