Jugendstrafe als Warnschuss

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Rosenheim - Freizeitarrest und Jugendstrafe gab es als Warnschuss für drei Einbrecher aus dem Chiemgau. Zudem verordnete das Gericht ein Anti-Alkohol-Training.

Ratlos und mit verkaterten Köpfen trafen sich drei Jugendliche am 9. Oktober des vergangenen Jahres. Nun wieder nüchtern, war ihnen nämlich klar geworden, auf welch blöde Idee sie in der vergangenen Nacht mit ihren besoffenen Köpfen gekommen waren.

Angeblich wollten sie spätabends in einer Gemeinde des Chiemgaus eine benachbarte Künstlerin besuchen. Als diese, weil außer Haus, nicht öffnete, brachen sie kurzerhand die Wohnungstüre auf. Drinnen taten sie sich an Bier aus dem Kühlschrank gütlich und fingen an, die Wohnung auszuräumen. Über den Balkon stiegen sie auch noch in die Nachbarswohnung ein, deren Balkontüre offen stand. Dann trugen sie dreist einen PC, einen DVD-Player, ein Lautsprechen-Boxensystem, Stereoanlage, Plattenspieler und eine Sammlung an Schallplatten hinaus.

Zur Rückgabe zu feige, wollten sie die Beute wieder loswerden, aber die Polizei kam ihnen dabei zuvor.

Alle drei waren vor dem Jugendschöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Herbert Schäfert umfassend geständig. Im Nachhinein war ihnen selber nicht mehr erklärlich, wie sie auf eine solche, im Sinne des Wortes, "Schnapsidee" kommen konnten.

Richter sprach den Jugendlichen deutlich ins Gewissen

Richter Schäfert erläuterte den dreien nachdrücklich den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit, Langeweile, Alkohol und Straftaten. Wohl hatten alle drei eine nicht unproblematische Kinder- und Jugendzeit. Allerdings war bei allen deutlich, dass sie zur Tatzeit keiner Arbeit nachgingen. Das belegte auch der Bericht der Jugendgerichtshilfe. Auch war jeder von den dreien schon polizeilich aufgefallen, wenn es auch keine schwerwiegenden Straftaten waren. So verlangte der Vertreter der Staatsanwaltschaft, dass für jeden ein deutliches Zeichen gesetzt würde. So dürfe es auf keinen Fall weitergehen. Erfreulich zumindest bei zweien der Missetäter, dass sie zwischenzeitig eine Arbeit und ein Praktikum gefunden hatten. Dasselbe mahnte Richter Schäfert auch bei dem dritten Angeklagten dringend an.

Beamtenbeleidigung kam noch dazu

In seinem Schlussvortrag beantragte der Staatsanwalt jeweils 14-tägigen Dauerarrest für die beiden Jugendlichen. Der Heranwachsende, dem nebenbei noch eine Beamtenbeleidigung angelastet wurde, sollte eine Jugendstrafe von einem Jahr zur Bewährung erleiden. Schließlich war er schon mehrfach einschlägig aufgefallen.

Dieser war anwaltlich vertreten. Sein Verteidiger Oliver Kroth stimmte in seinem Plädoyer dem Staatsanwalt grundsätzlich zu, hielt aber eine sechsmonatige Strafe für ausreichend.

Das Gericht erteilte den Jugendlichen - wie beantragt - einen Arrest und verhängte gegen den 20-Jährigen eine Jugendstrafe von sieben Monaten, die es zur Bewährung aussetzte. Vor allem wurde allen drei der Besuch von sozialem Training und einem Anti-Alkohol-Lehrgang aufgegeben.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

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