Gebirgsjäger: Doch Fall für den Staatsanwalt?

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Der Kommandeur des Gebirgsjägerbataillons 233, Oberstleutnant Fred Siems

Mittenwald - In der Edelweiß-Kaserne wird nach dem Skandal aufgeräumt. Der Kommandeur will den Staatsanwalt einschalten.

“Wir werden eventuelle Straftaten zur Ermittlung an die Staatsanwaltschaft abgeben."Das sagte der Kommandeur des Gebirgsjägerbataillons 233, Oberstleutnant Fred Siems, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur dpa.

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Die von einem Ex-Soldaten bekanntgemachten Rituale ereigneten sich im Juni 2009. Ermittelt wird nach den Worten von Siems seit dem 4. Februar. An dem Tag sei die Eingabe des im September 2009 bei der Bundeswehr ausgeschiedenen Wehrpflichtigen dem Wehrbeauftragten des Bundestages, Reinhold Robbe, bekanntgeworden. Mittlerweile werden die schikanösen Aufnahmerituale durch die Ermittlungen gedeckt: "Es wurde weitestgehend durch mindestens einen Soldaten bestätigt, dass viele von den Angaben wahr sind", sagte der Kommandeur des Gebirgsjägerbataillons 233, Fred Siems,

Von den derzeit 24 Soldaten des Hochgebirgsjägerzuges in Mittenwald sei etwa die Hälfte bereits vernommen worden, sagte der Kommandeur. Die Ermittlungen zögen sich auch deshalb in die Länge, weil ein Teil der Soldaten dieses Zuges derzeit bei einem Lehrgang in einer anderen Bundeswehr-Einheit Dienst tue. Der Hochgebirgsjägerzug gehört der Stabs- und Versorgungskompanie des Bataillons an und ist damit eng an die Führung angebunden. Siems versicherte, die Schikanen wie das Essen von roher Schweineleber oder Alkoholkonsum bis zum Erbrechen seien außerhalb der Dienstzeit, nicht in der Kaserne, sondern “in freiem Gelände“ und nicht in Uniform geschehen. Betroffen seien ausschließlich Mannschaftsdienstgrade. Vorgesetzte hätten von den entwürdigenden Aufnahmeritualen nichts gewusst.

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“Ich habe von Begriffen wie Fuxtest zum ersten Mal am 4. Februar gehört“, sagte Siems. Nach dem Bericht der “Süddeutschen Zeitung“ bestand dieser Test zum Aufstieg innerhalb der Hierarchie bei den Gebirgsjägern unter anderem darin, Rollmöpse versehen mit Frischhefe zu essen. Die Folge davon ist heftiges Erbrechen.

Der “Hochzugkult“ bei den Gebirgsjägern - sie gelten als Eliteeinheit der Bundeswehr - habe sich bereits Ende der 1980-er Jahren herausgebildet, erläuterte der Bataillonskommandeur. Das jetzt bekanntgewordene Ausmaß erreichten die Aufnahmerituale aber erst in den vergangenen Jahren, wie Siems sagte. “Wir nehmen die Sache sehr ernst.“ Er kündigte eine rückhaltlose Aufklärung an. Der Kommandeur erläuterte, dass die Wehrdisziplinarordnung auch für Vergehen außerhalb der Dienstzeit und der Kaserne gilt.

Weiter berichtete der Oberstleutnant, er habe sich bei dem Beschwerdeführer telefonisch entschuldigt und sich ausdrücklich für dessen Mut zur Eingabe an den Wehrbeauftragten bedankt. Der Ex-Soldat wolle damit bezwecken, dass “ein solches Ritual nie mehr stattfindet“, erläuterte Siems. Nähere Angaben zu dem jungen Mann wollte Siems mit Blick auf die laufenden Ermittlungen nicht machen. Nur so viel: Von den neun Monaten seiner Wehrpflicht brachte der Soldat sechs Monate im Mittenwalder Hochgebirgsjägerzug zu.

dpa

Quelle: rosenheim24.de

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