Streit um Wölfe: Bauern schlagen Alarm

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In dem Faltblatt wird vor der Ansiedlung von Wölfen im bayerischen Oberland gewarnt wird. "Die Menschen vor Ort können sich nicht mehr frei bewegen und müssen Vorsichtsmaßnahmen ergreifen," heißt es in dem Faltblatt, das der Bayerische Bauernverband herausgegeben hat.

Bayrischzell – Ein Faltblatt schürt Ängste: Bauern warnen darin vor drastischen Folgen einer Ansiedelung von Wölfen, Naturschützer halten das für eine falsche Darstellung. Die Fronten sind verhärtet.

Der Wolf, der 2010 bei Bayrischzell (Kreis Miesbach) Schafe gerissen hat, ist spurlos verschwunden. Vermutlich lebt kein einziger Wolf in Oberbayern – trotzdem tobt um das Tier ein heftiger Streit. Ein Faltblatt, das Bauern entworfen haben, scheint zum Politikum geworden zu sein. Darin heißt es, der Wolf bedrohe nicht nur die Weidewirtschaft, sondern stelle auch eine direkte Gefahr für den Menschen dar. „Die Menschen vor Ort können sich nicht mehr frei bewegen und müssen Vorsichtsmaßnahmen ergreifen“, so das Szenario in der Veröffentlichung. Almwirtschaft mit Weidehaltung müsse aufgegeben werden. Die Folgen seien weitreichend: Almweiden verbuschten, Menschen verlören ihre Lebensgrundlage, althergebrachtes Wissen und Bräuche wie der Almabtrieb gingen verloren. Das Faltblatt zeigt einen Wolf mit aufgerissenem Maul und gefletschten Zähnen neben einem weißen Lämmchen.

Umweltschützer protestieren. „Die Aussagen und Schlussfolgerungen in dem Faltblatt sind sachlich nachweislich falsch beziehungsweise grob verzerrend dargestellt“, schrieb Christine Miller, Leiterin des WWF-Projektbüros Große Beutegreifer in Bayern, an Miesbachs Landrat Jakob Kreidl. „Der Landkreis übt damit eine gezielte Falsch-Information seiner Bürger aus.“ Der Landkreis ist in der Veröffentlichung mit sechs anderen Kommunen und 15 Verbänden aufgeführt – unter der Rubrik „Organisationen für eine intakte Kulturlandschaft“. Zum Inhalt des Faltblatts will das Amt nicht Stellung nehmen. Dem Landkreis sei es nur um die Aussage zum Schutz der Kulturlandschaft gegangen, sagt ein Sprecher.

Das Papier unter dem Titel „Ansiedelung von Wölfen: Haben Schafe, Ziegen und Rinder in den Alpen noch eine Zukunft?“ steht im Widerspruch zu Aussagen von Umweltbehörden. „Wölfe sind eine Bereicherung der heimischen Fauna und sollten in Deutschland wieder ihren Platz finden“, heißt es in einem Dokument des Bundesumweltministeriums. Laut Faltblatt-Herausgeber Martin Erhardsberger vom Bayerischen Bauernverband habe man ein Gegengewicht zu Naturschützer-Aussagen setzen wollen.

Sabine Dobel

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