Wunschziel 2013: Start der Bohrung

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In der ersten Phase, die bis zu sechs Wochen dauern kann, wird der Bohrdiamant an das Bohrziel geführt. In der zweiten Phase wird die Lagerstätte ausgebeutet. Zeichnung re

Rosenheim/Wien/Bad Endorf - Die Nachricht kam überraschend: Die RAG bohrt bald in Bad Endorf nach Erdgas. Der Projektverantwortliche spricht nun über Details:

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"Die Rohöl Aufsuchungs-Gesellschaft (RAG) mit Sitz in Wien hat für die geplante Probebohrung unter dem Langbürgner See einen alternativen Bohrstandort gesucht und in Bad Endorf-Mauerkirchen nun auch gefunden", erklärte der Projektverantwortliche des Unternehmens, Henrik Mosser, im Redaktionsgespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Er bestätigte, dass mit mehreren Besitzern von Grundstücken in Mauerkirchen sogenannte Optionsverträge unterschrieben worden seien. Das bedeute, dass - falls das Bergamt Südbayern grünes Licht gibt - diese Verträge zu gültigen Pachtverträgen werden. Dann könne die RAG von dort nach Erdgas bohren.

Projektleiter Henrik Mosser von der RAG AG Austria sprach über die Bohrungen in Bad Endorf.

Auf seine Initiative hin seien noch am Mittwoch Informationsgespräche mit Landrat Josef Neidehell und Endorfs Bürgermeisterin Gudrun Unverdorben im Landratsamt geführt worden. "Wir haben uns den Argumenten, die seinerzeit gegen den Bohrstandort Breitbrunn vorgebracht wurden, nicht verschlossen und reagiert. Auf der Suche nach einem Alternativstandort - wie mit Bürgern und kommunalen Verbänden vereinbart - sind wir auf ein geeignetes Gelände gestoßen. Dies haben wir nun den beiden Politikern mitgeteilt", so Mosser.

Dieses rund 6000 Quadratmeter große Grundstück in Mauerkirchen liege rund 1,2 Kilometer vom Langbürgner See und rund 700 Meter vom Naturschutzgebiet Eggstätt-Hemhofer-Seenplatte entfernt. Außerdem seien noch weitere Grundstücke, die als Zufahrtswege dienen könnten, in die Verträge miteinbezogen worden.

Nun gelte es, einen "Betriebsplan" auszuarbeiten, der noch in diesem Jahr beim Bergamt Südbayern eingereicht werden solle. Damit beginne das Genehmigungsverfahren. Dann seien die Träger öffentlicher Belange am Zug. "Wenn alles reibungslos verläuft und die Behörden grünes Licht geben, könnte bereits 2013 mit der Probebohrung begonnen werden", erklärte Mosser.

Voruntersuchungen hätten ergeben, dass in rund 2400 Meter Tiefe unter dem See Erdgas zu finden sei. "Wir erwarten fast reines Methangas, das vielleicht sogar 1:1 in die Leitungen strömen könnte." Allerdings betonte der Projektleiter, dass nicht jede Bohrung zum Erfolg führe. Nur jede achte sei im Schnitt erfolgreich.

Der Projektverantwortliche Henrik Mosser bei Radio Charivari:

O-TON

Zunächst sollen - immer unter der Voraussetzung, dass die Behörden keine Bedenken haben - in einer ersten Phase über fünf bis sechs Wochen der Bohrturm errichtet, Rohre und das notwendige Gestänge herbeigeschafft und schließlich gebohrt werden. An der Eintrittsöffnung habe die Bohrung rund 50 Zentimeter Durchmesser, verjünge sich aber nach unten auf rund zwölf Zentimeter Durchmesser.

Höchste Aufmerksamkeit werde vor allem auf die Abdichtung dieser Bohrung gerichtet. Nach seiner Einschätzung seien die ersten 100 Meter zentral, weil hier wasserführende Schichten durchstoßen werden. Mosser verwies allerdings darauf, dass es in der Region bereits viel Erfahrung mit Bohrungen in diesen Sandsteinlagerstätten gebe. So wurde und werde nach Erdöl, Erdgas und auch nach Thermalwasser gebohrt.

Schnell gelange schließlich der Borhrdiamant auf "dichtes, undurchlässiges Gestein". In rund 2,4 Kilometer Tiefe (der Langbürgner See ist etwa 43 Meter tief) erwarten die Geologen dann das Gas, das in vielen kleinen Bläschen im Gestein eingeschlossen sei. Viel Aufschluss über Qualität des Gases, die Bodenbeschaffenheit und die Lagerstätte können die Bohrkerne geben, die intensiv von Fachleuten während des laufenden Betriebes untersucht werden.

Mosser bestätigte, dass rund 300 Millionen Kubikmeter Methangas vermutet werden. Das reiche, um beispielsweise alle Rosenheimer Haushalte, die Gas verbrauchen, über 30 Jahre versorgen zu können.

In dieser ersten Phase könne es durch die Bohrung zu Lärm und Lichtirritationen kommen, doch würden alle Maßnahmen ergriffen, um Mensch und Umwelt so gering wie möglich in dieser rund sechs Wochen dauernden Zeitspanne zu belasten.

Die RAG AG möchte offen im Dialog mit Bürgern und Kommunalpolitikern bleiben. Deshalb werde auch mit Beginn des Verfahrens eine Infowebseite eingerichtet, um so die einzelnen Schritte transparent zu machen.

Die RAG AG habe die "Aufsuchungslizenz" vom Freistaat Bayern erworben, der Eigentümer der bayerischen Bodenschätze sei. Es sei politischer Wille, eigene Erdgas-Vorkommen zu erschließen und zu fördern, um so unabhängiger von ausländischem Gas zu werden.

Sigrid Knothe (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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