Brummis auf der Hightech-Waage

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Wenn die in den Autobahnbelag eingebauten Vor-Waagen signalisieren, dass ein Fahrzeug überladen ist, wird es zur Kontrolle herausgewunken.

Rosenheim/Bad Aibling - Auf Höhe von Bad Aibling überprüfen Hightech-Sensoren im Fahrbahnbelag der rechten Fahrspur, ob die Brummis zu schwer geladen haben. *NEU: Fotos und Video*

Doch das EU-geförderte Asset-Road-Projekt kann noch viel mehr. Seit 18 Monaten wird auf dem Parkplatz "Im Moos" kurz nach der Anschlussstelle Bad Aibling die Verkehrskontrolle der Zukunft getestet und im Praxisbetrieb weiterentwickelt. In einem mit Computern, Servern und Monitoren vollgestopften Stahlcontainer sitzt ein Beamter des Kontrollgruppe Schwerverkehr des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd.

Bilder: Asset-Road im Einsatz

Asset Road-Kontrollsystem im Einsatz

Auf einem Bildschirm vor sich sieht er Videobilder der vorbeirauschenden Lkw. Die Vor-Waagen auf der Autobahnliefern zu jedem Fahrzeug eine Gewichtsangabe. Ist der Lkw zu schwer, gibt der Beamte diese Information per Funk an einen Kollegen weiter, der sich an der Einmündung zum Parkplatz aufgebaut hat und das Fahrzeug herauswinkt.

Unter der gelben Klappe verbergen sich eine Wärmebildkamera und Infrarot-Sensoren. Das Wärmebild auf dem Monitor in der Kontrollstation gibt Hinweise auf abgefahrene Bremsbeläge und heißgelaufene Radlager.

Auf dem Parkplatz wird der Lkw im Schritttempo über ein Testfeld geleitet. Eine eingebaute Waage misst noch einmal das Gewicht, diesmal beweiskräftig. Ein Lasersensor überprüft zugleich die Höhe des Fahrzeugs. Eine in eine Bodenklappe eingebaute Infrarotkamera filmt die Unterseite des Lkw. Der Beamte im Container kann anhand der roten Stellen im Wärmebild erkennen, ob Radlager oder Bremsbeläge defekt sind. Ein in die Fahrbahn eingelassener Laser-Scanner, ähnlich wie an Supermarkt-Kassen im Einsatz, ermittelt auch gleich noch die Profiltiefe der Autoreifen. Und das ganze innerhalb von 45 Sekunden.

Polizeikommissar Thomas Zach, Leiter der Schwerverkehrkontrollgruppe, ist von der Technik begeistert. "Die Abweichung zwischen der Vor-Waage auf der Autobahn und der Messung auf dem Parkplatz liegt bei einem 40-Tonner im Durchschnitt bei 100 Kilo." Das sind ganze 0,25 Prozent. Deutlich erhöht hat sich auch die Effizienz: "Normalerweise haben wir bei Kontrollen eine Trefferquote von 23 bis 25 Prozent. Hier liegt sie bei 78 Prozent." Zwei Tage in der Woche ist die Station im Einsatz. Die Bilanz in 18 Monaten: In rund 500 Kontrollstunden wurden 5000 Fahrzeuge überprüft, wobei es 1200 Beanstandungen gab.

Die Beamten machen kein Geheimnis daraus: Sie würden die Technik gerne weiter nutzen. Doch wie es mit dem Asset-Road-Projekt weitergeht, ist derzeit noch offen. Ende des Jahres läuft nach drei Jahren die Förderung durch die EU aus. Die Messtechnik zur Überprüfung des Ladegewichts bleibt wohl im Einsatz. Wie es mit den anderen Komponenten ausschaut, ist noch nicht klar.

Die Kontrollstation bei Bad Aibling ist nur ein Teil des Gesamtprojekts von Advanced Safety and Driver Support for Essential Road Transport (Asset), an dem Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Behörden aus zehn EU-Staaten sowie aus Tansania und Indien teilnehmen. Es gibt noch zwei weitere Projekte: In Finnland wurde eine mobile Überwachungsstation entwickelt, die per Kamera nicht nur Geschwindigkeit und Abstand von Pkw überprüft, sondern gleich den Bildbeweis antritt, ob der Fahrer auch angeschnallt war. Ein französisches Projekt beschäftigt sich mit effizienter Flottensteuerung im Güterverkehr.

Die Verkehrssicherheit ist aber lediglich eines der Ziele, die Asset verfolgt, wie der technische Koordinator Rigobert Opitz Projektteilnehmern bei einem Treffen in der Autobahnmeisterei Rosenheim erläuterte. Nicht nur, dass sich überladene Lkw einen illegalen Wettbewerbsvorteil verschaffen, sie schädigen auch überproportional die Straßen. Schon heute fließt ein immer größerer Anteil der für Straßenbauprojekte zur Verfügung stehenden Mittel in den Unterhalt. Mit der Technologie, die im Rahmen von Asset entwickelt wurde, könnte man den Verschleiß deutlich reduzieren, so Opitz.

Klaus Kuhn/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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