Es sind wahrlich "Sammler"

Brandfahnder: "Jeder Brand hat seine Geschichte"

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Befragungen durchführen und Beweise sammeln: Brandfahnder gehören zu einem Expertenteam der Polizei, das die Ursache eines Feuergeschehens herausfinden soll.
  • schließen

Landkreis - Sie sind immer dort, wo etwas passiert ist. Ein Feuer bricht aus, die Ursache ist nicht eindeutig. Brandfahnder haben keinen einfachen Job. Manchmal suchen sie die Nadel im Heuhaufen.

Jürgen Thalmeier weiß, wovon er spricht. Auch er kennt den Dienst als Brandfahnder und weiß um die Wichtigkeit kleinster Hinweise und Spuren, um die Ursache eines Brands herauszufinden. Der sogenannte Erkennungsdienst der Kriminalpolizei unterscheidet in der Spurensicherung verschiedene Personalpositionen, die mit der Spurensicherung unterschiedlicher Situationen vertraut sind. Die Brandfahnder gehören zu einem Expertenkreis, der verschiedene Delikte bearbeitet.

Am Beispiel des Feuers am Attler Hof, bei dem vergangene Woche ein Stall niedergebrannt war, ist zum Einen der Kriminaldauerdienst umgehend zur Brandstelle gefahren, zügig kam auch die Gruppe aus Spezialisten des Kommissariats 1. Es wurden Personenbeweise gesammelt, Befragungen mit den Einsatzkräften gemacht, erörtert, wer als letztes am Stall und dem Areal war. Außerdem hat der Erkennungsdienst Sachbeweise gesammelt. „Um ein Ereignis aufklären zu können, bedarf es beider Sachen. Sowohl ein Personenbeweis als auch ein Sachbeweis. Alles fließt in den Ermittlungen zusammen und wird abgeglichen“, so Jürgen Thalmeier gegenüber wasserburg24.de. Der Sachbeweis sei unumstößlich, erläutert Thalmeier weiter. „Eine DNA-Spur am Tatbrandort beispielsweise ist vorhanden, es muss daher unbedingt geklärt werden, wie sie dorthin gelangt ist, ob sie berechtigt dort zu finden war oder nicht“, so der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. „Oder sie steht im Zusammenhang mit der Tat, weil der mutmaßliche Täter diese Spur gesetzt hat, als er am Tatort war“. Aufgabe der Ermittler sei nun abzuklären, wie dies entstanden sein könnte.

Viele Experten in Attl gewesen

Beide Fachkommissariate seien auch zum Brandort nach Attl gekommen. „Der Brandort wird sichergestellt, erste Erkenntnisse gesammelt und an die Fachkommissariate weitergegeben“, so Thalmeier. Die Arbeiten teilen sich dann auf Sach- und Personenbeweisaufnahmen. „Es werden so viele Informationen gesammelt, wie nur möglich“, heißt es von Thalmeier. „Am Beispiel des Brands in der Stiftung Attl ging es darum, wer genau hier gearbeitet hat, was in dem Stall gelagert wurde oder untergebracht war, wie viele Tiere sich dort befunden haben und wer zuletzt hier anwesend hat“. Es sei notwendig, zu rekonstruieren, wie die Situation war, bevor das Feuer ausbrach und wann dies geschah, heißt es aus dem Polizeipräsidium. „Zeugen sind immer wichtig und können das Ereignisgeschehen oft gut, manchmal aber auch verzerrt beschreiben“, so der Pressesprecher. Korrekte Angaben sind von Schutzbehauptungen zu unterscheiden, darum seien so viele Hinweise und Erkenntnisse, wie nur möglich, ein gutes Fundament, um die Ermittlungen voranzubringen, so Thalmeier.

Die Beweisaufnahme gestalte sich oft sehr zeitaufwendig, doch enorm wichtig. So könne man abgleichen, ob Aussagen und Erkenntnisse zusammen passen. „Die Befragung der Einsatzkräfte, etwa Feuerwehrler, ist eine hilfreiche Sache, weil man dadurch zügig auch die Stelle eingrenzen kann, wo ein Brand ausgebrochen ist“, betont Thalmeier. „Wahrnehmungen sind aber immer subjektiv, Wahrnehmungsfehler, unbewusst oder bewusst, können sein. Ein Zeuge kann sich auch in der Zeit irren“. Die Kommissariate stehen immer in unmittelbarem Kontakt zur Staatsanwaltschaft. „Die Staatsanwaltschaft muss entscheiden, ob Anzeige erstattet oder ein Ermittlungsverfahren eingestellt wird“, erklärt Thalmeier.

Erfahrung mit im Spiel

Wer den Beruf eines Brandfahnders hat, ist bei der Kriminalpolizei tätig. Nach der wichtigen allgemeinen Ausbildung kommt es zu fundierten Lehrgängen im Fortbildungsinstitut. „Erfahrung ist ganz wichtig. Man bekommt mit der Zeit einen Blick für gewisse Situationen“, so Thalmeier.

Viel erkennen aus kleinen Details

Ein Brand zerstöre sehr schnell sehr viel. Darum sei es wichtig, zu ermitteln, wo das Feuer ausgebrochen ist und wo sich Rußspuren erst im weiteren Verlauf angesammelt hätten. Auch ein Sachgebiet des Landeskriminalamts ist bei etlichen Brandereignissen mit in die Ermittlungen involviert. Mit vielen Hinweisen im Gepäck geht es um das Ausschlussprinzip! „Was kann es alles nicht gewesen sein“, so Thalmeier. „Wir konnten ja Blitzeinschlag komplett ausschließen, und auch weitere Sachen konnten wegen der gegebenen Situation ausgeschlossen werden.

Nach und nach werden mögliche Ursachen durchgegangen. Da gibt es technische Ursachen, mechanische Ursachen, oder dass ein Feuer selbst auslöst, auch ein durch ein Tier angebissenes Kabel kann einen Brand möglich machen. Und dann steht immer auch die Möglichkeit einer Brandstiftung im Raum, ob durch fahrlässiges oder vorsetzliches Handeln“, erklärt Jürgen Thalmeier. „Interessant dann auch die Erkenntnisse, weshalb dieses Feuer entstehen konnte. Das richtige Verhältnis aus Zündquelle, Brandlast und dergleichen muss passen, um das Feuer entfachen zu lassen. „Jeder Brand hat seine Geschichte“, heißt es aus dem Polizeipräsidium weiter.

Ausmaß nach Brand von Stall der Stiftung Attl

Der Zerstörungsgrad ist oft entscheidend, wie schnell eine Brandursache ermittelt werden kann. In wenigen Fällen kann nicht eindeutig bewiesen werden, wie genau ein Brand entstehen konnte. „Doch es wird alles daran gesetzt, alle Erkenntnisse und Umstände zu sammeln, um aufklären zu können. Es ist wie ein Mosaik“.

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser