"Der Frühling ist da"

Das (ganz normale) Videotagebuch des Grafinger Messerstechers

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Der arbeitslose Schreiner Paul H. attackierte am Dienstagmorgen in Grafing Bahnhof mehrere Menschen. Ein Wasserburger überlegte den Messer-Angriff nicht.

Grafing - Am Dienstagmorgen stach Paul H. in Grafing Bahnhof wahllos auf Menschen ein. Ein 56-jähriger Wasserburger überlebte die Attacke nicht. Ein Einblick in das Videotagebuch des Schreiners:

Diese Bilder wird die Region nicht so schnell vergessen: Die abgeriegelte S-Bahn-Station "Grafing Bahnhof", blutige Fußabdrücke auf dem Steinboden und auf den Treppen abgelegte Blumenkränze. Hier hat Paul H., ein 27-jähriger Hesse, am Dienstagmorgen ein Blutbad angerichtet: Er stach wahllos und unvermittelt auf mehrere Passanten ein. Ein 56-jähriger Familienvater aus Wasserburg überlebte die Messerattacke nicht.

Psychische als auch Drogenprobleme sollen die Auslöser für diese schreckliche Tat gewesen sein. Nicht, wie anfangs vermutet, ein islamistischer Hintergrund. Dieses Gerücht entstand, weil Paul H. die Worte "Allahu-Akhbar" ("Allah ist groß") gerufen haben soll.

"Raus aus der Großstadt"

Der 27-jährige Schreiner, der aktuell arbeitslos ist und seit zwei Jahren Sozialhilfe in Anspruch nimmt, kam erst am Montag nach München. In der Nacht auf Dienstag hielt er sich dort im Bereich des Hauptbahnhofes auf- er konnte sich kein Hotel in der Landeshauptstadt leisten. Am Dienstagmorgen soll er die Großstadt verlassen haben und mit einer S-Bahn bis Grafing Bahnhof gefahren sein. Kriminaldirektor Lothar Köhler bestätigte am Dienstag in einer Pressekonferenz: "Einen besonderen Grund, warum er nach Grafing gefahren ist, gibt es nicht. Es war wohl der Weg raus aus München, raus aus der Großstadt."

Toter Hase: "Das arme Vieh"

Paul H. kam viel rum, erkundete die Welt auf zahlreichen Reisen. Seine Handykamera hatte er dabei meistens an- und lud sämtliche Reise-Eindrücke auf einem YouTube-Kanal, den er gemeinsam mit einem Freund betrieb, hoch. Aus seiner Geldnot machte der 27-Jährige keinen Hehl: Ein Video deutet schon in der Überschrift auf seine finanziellen Sorgen hin. Am 26. April nahm er seine Abonnenten mit auf die Reise nach Frankfurt. Und erklärt ihnen, dass er vielleicht schwarz fahren wird: "Jetzt muss ich nur noch gucken, wie ich mein Ticket bezahlt krieg."

Sein letztes Video veröffentlichte er am 5. Mai 2016. Zu sehen ist Camper Paul H., der mit seinem Kumpel "Godmaster of Desaster" angelt. Der Arbeitslose freut sich: "Der Frühling ist da!" Das sollte nicht das einzige Video an diesem Tag bleiben: Paul H. hält die Kamera in einem weiteren Video auf einen toten Hasen, den er in der Nähe des Campingplatzes fand. Das Tier wurde wohl von einem Raubvogel angegriffen. Diesen Fund kommentierte er mit den Worten: "Das arme Vieh".

Videotagebuch zeigt völlig normalen Mann

In insgesamt 55 Videos dokumentierte Paul H. seine Reise-Erfahrungen. Und bis zu seinem Trip nach München wirkte der 27-Jährige völlig normal. Am Mittwoch wurde der Schreiner in eine Psychiatrie eingewiesen. Die Mutter des Messerstechers ist fassungslos und entschuldigte sich bei den Angehörigen der Opfer, die ihr Sohn attackierte.

Messer-Attacke am Grafinger Bahnhof

bp

Quelle: rosenheim24.de

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