Blutbad am Grafinger Bahnhof - Wasserburger (56) tot

Großeltern des Täters: "Wir redeten mit Engelszungen auf ihn ein"

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Messerattacke am Grafinger Bahnhof

Grafing - Der 27-jährige Paul H. aus Gießen stach am Dienstagmorgen in Grafing wahllos auf vier Menschen ein. Ein 56-jähriger Wasserburger starb im Krankenhaus an seinen Verletzungen. So wollten die Großeltern Paul H. helfen: 

Es sind unfassbare Szenen, die sich am Dienstagmorgen ab 4.45 Uhr abgespielt haben: Am Grafinger Bahnhof steht die S-Bahn der Linie 4 bereit. Der arbeitslose Schreiner Paul H. geht barfuß auf einen Pendler zu und sticht mit einem Survival-Messer auf ihn ein. Laut Zeugen soll er dabei „Allahu akbar“ („Allah ist groß“) und „Du bist ein Ungläubiger, du musst sterben“ gerufen haben. Opfer Siegfried W. (56) aus Wasserburg, Mitarbeiter der Bezirksregierung, bricht daraufhin zusammen.

Mit seinem Blut an den Füßen geht Paul H. auf den Bahnhofsvorplatz von Grafing. Dort sticht er wahllos auf drei weitere Männer ein und verletzt sie teilweise schwer. Nur wenig später konnte der Täter festgenommen werden. Der 56-Jährige aus Wasserburg starb an seinen schweren Verletzungen im Krankenhaus. Ein weiteres Opfer schwebt in Lebensgefahr.

Paul H. war in psychiatrischer Behandlung

Aufgrund der blutigen Fußspuren konnte die Polizei später diesen Tatablauf rekonstruieren. Und erklärte auf einer Pressekonferenz am Nachmittag ihre Ermittlungsergebnisse.

Am Mittwochvormittag wird Paul H. einem Ermittlungsrichter vorgeführt, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich. Auf Grund der verwirrenden Angaben, die der Mann bei seiner Vernehmung gemacht habe, bestehen allerdings Zweifel an seiner Schuldfähigkeit.

Täter lebte von Sozialhilfe

Nach und nach kamen auch weitere Informationen zum Täter heraus: Der 27-jährige Paul H. hatte vermutlich nur aufgrund von Verwirrung "Allahu akbar" gerufen, er ist drogenabhängig, befand sich bis kurz vor der Tat am Dienstag in psychiatrischer Behandlung. Auch bei seiner Vernehmung durch die Polizei zeigte er sich verwirrt. Was am Dienstagvormittag in Grafing passierte, muss der Schlussakt einer verhängnisvollen und dramatischen Entwicklung gewesen sein.

Paul H. legte 2008 seine Gesellenprüfung als Schreiner ab. Doch dann warf ihn etwas aus der Bahn. Er floh aus Gießen, jettete um die Welt und arbeitete laut Informationen der tz als Animateur in Hotels rund um die Welt. Als er wieder in seine Heimatstadt zurückkehrte, lebte er von Sozialhilfe, sammelte Flaschen, um das Pfand zu erhalten und war Drogen und Alkohol nicht abgeneigt.

Paul H. türmte aus der Psychiatrie am Montag

Nicht nur sein Stiefvater, sondern auch die Großeltern sind schockiert: „Wir hatten alles versucht, um ihm zu helfen", so die Großmutter von Paul H. Auch sein Großvater erzählt von den verzweifelten Versuchen, ihren Enkel wieder auf die Beine zu helfen:

„Wir haben die Polizei gebeten, ihn in eine Klinik einzuweisen. Aber die Beamten lehnten das ab“, so der Großvater. „Wir redeten mit Engelszungen auf ihn ein und brachten Paul nach Gießen in eine Klinik. Ich kann Ihnen versichern: Unser Paul ist kein Terrorist.“ Doch in der offenen Psychiatrie hielt es Paul H. nicht lange aus – am Sonntag wurde er eingewiesen und türmte bereits am Montag. Anschließend nahm das Unglück seinen Lauf.

Was der Stiefvater über Paul H. am Dienstag sagte, lesen Sie auf unserem Partnerportal tz.de.

Spurensicherung nach tödlicher Messer-Attacke in Grafing

Messer-Attacke am Grafinger Bahnhof

Quelle: rosenheim24.de

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