Bischöfe rufen Kirche zur Erneuerung auf

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“Tretet nicht aus, sondern auf“, sagt der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick in seiner Predigt zum Pfingstsonntag.

München - “Tretet nicht aus, sondern auf“: Die bayerischen Bischöfe haben zu Pfingsten die Kirche zur Erneuerung aufgerufen.

Dabei baten die Oberhirten die Gläubigen darum, der Gemeinschaft nicht den Rücken zu kehren und sich aktiv am Leben innerhalb der Kirche zu beteiligen. “Tretet nicht aus, sondern auf“, sagte der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick in seiner Predigt zum Pfingstsonntag.

Er rief die Gläubigen dazu auf, sich in der Kirche zu engagieren, sei es in Gremien und Verbänden oder in sozialen Einrichtungen. Trotz der Missbrauchsfälle, die die katholische Kirche in den vergangenen Monaten erschüttert hätten, sollten sich die Gläubigen nicht entmutigen lassen. “Sehen wir die vielen guten Errungenschaften und Werke zum Wohl der Menschen in der Kirche.“

Der frühere Münchner Erzbischof Friedrich Kardinal Wetter sagte in seiner Predigt am Pfingstsonntag im Münchner Liebfrauendom: “Die Geschichte lehrt uns: Erneuerungen der Kirche haben stets von innen begonnen, mit der Umkehr der Herzen.“ Wetter feierte mit der Pfingstmesse den 25. Jahrestag seiner Ernennung zum Kardinal gemeinsam mit seinem Nachfolger Erzbischof Reinhard Marx.

"Nicht herrschen, sondern dienen"

Die katholische Kirche müsse vor allem ihre Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Von Priestern und Bischöfen forderte Wetter, in ihrem Leben die Liebe Christi aufleuchten zu lassen. “Nicht herrschen, sondern dienen; nicht auf uns bedacht sein, sondern für andere da sein; bescheiden und hilfsbereit anderen gegenübertreten.“ Der Heilige Geist wirke auch heute in vielfältiger Weise.

Es gehöre zum katholischen Glauben, dass die Kirche heilig sei. In letzter Zeit seien allerdings Vorgänge offenkundig geworden, die mit Heiligkeit nicht zu tun hätten, sondern mit deren Gegenteil, nämlich Versagen und Sünde, sagte Wetter. “Die Kirche ist nicht heilig durch uns, sondern durch die Gegenwart des Heiligen Geistes in ihr. Darum müssen wir jeden Tag beten: Vergib uns unsere Schuld.“

Glauben durch Verwirrung und Dunkelheit tragen

Der Passauer Bischof Wilhelm Schraml rief die Gläubigen auf, den Glauben durch alle Verwirrung und Dunkelheit zu tragen. In seiner Predigt kritisierte Schraml, dass der Mensch sich selbst zum Maßstab allen Denkens gemacht habe. Wenn der Mensch nicht mehr vor seinem Gott knien würde, “dann entschwinden auch Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe“. Die Menschen würden “Grenzen ziehen, Fronten bilden, Mauern bauen und Gräben aufwerfen“. Daher gebe es in der Welt und auch in der Kirche eine tiefgreifende Erschütterung im Innengefüge.

Bayerns evangelischer Landesbischof Johannes Friedrich ermunterte alle Christen, sich weiter um die Ökumene zu bemühen. So könne etwa das gemeinsame Abendmahl von Katholiken und Protestanten nicht herbeigezwungen werden, sondern müsse in kleinen Schritten erarbeitet werden, sagte Friedrich in seiner Pfingstpredigt in München. “Ökumene braucht Geduld.“ In Anlehnung an einen katholischen Kollegen sagte Friedrich, die Fortschritte der Ökumene glichen einem Marathonlauf. “Wir wissen nur nicht, bei welchem Kilometerstand wir angelangt sind.“ Das Ziel allerdings stehe fest, die Einheit in Christus.

Geist Gottes deutlich auf Kirchentag zu spüren

Diese Versicherung sei gerade an Pfingsten besonders wichtig. “Der Geist von Pfingsten ist ein mächtiger, heilender und Mut machender Geist, der zur Verständigung führt“, sagte Friedrich. Mut habe ihm auch deshalb die gemeinsame Brotsegnungsfeier auf dem Ökumenischen Kirchentag in der vergangenen Woche gemacht: “Zwanzigtausend orthodoxe, katholische und evangelische Christen waren trotz der Kälte zusammen gekommen, um ihrer Sehnsucht nach Einheit Ausdruck zu geben.“ Dort sei der Geist Gottes deutlich zu spüren gewesen.

An Pfingsten erinnern die christlichen Kirchen an die Erzählung in der Apostelgeschichte, wonach Jesus den verängstigten Jüngern den Heiligen Geist sandte und sie fortan mutig seine Lehren verkündeten.

lby

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