Missbrauch: "Ihr gehört ja alle kastriert"

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München/Ettal - Wegen der Missbrauchsskandale in katholischen Einrichtungen, schießt die Kritik an der Kirche teils über das Ziel hinaus:  "Ihr gehört ja alle kastriert." Doch wie reagiert die Kirche?

Beinahe jeden Tag taucht ein neuer Skandal um die katholische Kirche auf. Die Fälle reichen von sexuellem Missbrauch, über Prügelstrafen bis hin zu psychischer Misshandlung. Und wer bekanntlich den Schaden hat, der braucht für den Spott nicht zu sorgen. Aber was gerade auf einige Pfarrer und Kirchengemeinden einprasselt, ist schon mehr als Spott.

Stadtpfarrer Rainer Schießler der St. Maximilian Kirche in München sieht sich teilweise sehr derben Anfeindungen gegenüber. "Es kommt schon vor, dass mich Leute anrufen und meinen, 'ihr gehört ja alle kastriert.' Die trauen sich aber nie, ihren Namen zu sagen."

Aber Schießler, der nebenbei auch als Wiesenbedienung arbeitet, ist einiges gewohnt und kann sich zur Wehr setzen. "Ich sag zu solchen Leuten dann nur, 'geh ma raus auf a Lackerl Blut.' Bisher haben die immer zuerst aufgelegt."

Schießler versteht allerdings auch, dass viele Menschen wegen den aufgetauchten Missbrauchsfällen verunsichert sind. "Es kommt auch viel konstruktive Kritik, gepaart mit Unsicherheit. Viele wissen jetzt einfach nicht mehr, ob die Kirche auch wirklich mit offenen Karten spielt. Die Kirchenführung müsste der Sache einfach geschlossener begegnen."

Zu den Verdachtsfällen wegen Ratzinger's Prügelstrafen meinte Rainer Schießler: "Ich heiße Gewalt grundsetzlich nicht gut. Sie drückt Menschen nur nieder. Man sollte jetzt aber auch keinen Generalverdacht gegen die gesamte Kirche aussprechen."

Michael Müller von der Benediktinerabtei Ettal wurde zwar noch nicht bedroht, "aber die Stimmung im Kloster ist schon eine andere. Ich hab über hundert Anfragen zur derzeitigen Situation. Da komme ich schon gar nicht mehr hinterher."

Auch Pater Josef Mittermaier von den bayerischen Kapuzinern in München hat bisher noch keine Anfeindungen erfahren müssen. "Ich hab noch keine Drohanrufe erhalten."

Chronologie der Missbrauchsfälle

Chronologie der Missbrauchsfälle

Mittermaier ist aber selbst entsetzt über die aufgetauchten Fälle von sexuellem Missbrauch. "Gerade die Kirche sollte eigentlich als Wegweiser in der Gesellschaft fungieren. Nach den Vorfällen ist das einfach nicht mehr glaubwürdig." Er meinte, "sexueller Missbrauch bei Kindern und Jugendlichen ist eine so ungehäuere Sache. Das kann einen Menschen kaputt machen."

Dennoch sieht Mittermaier die öffentliche Diskussion um die Missbrauchsfälle als positiv. "Es ist gut, dass öffentlich darüber gesprochen wird und so ein Forum für die Opfer geschaffen wird. Aber es gibt natürlich auch eine negative Seite. Es wird in alle Richtungen geredet und dabei kommen auch mal unangebrachte Sachen heraus." Er befürchtet mittlerweile, "dass die öffentliche Diskussion das Leid der Opfer zu sehr relativiert."

Aber die Vorwürfe gegen Georg Ratzinger versteht er nicht. "Herr Ratzinger hat mit den Mißbrauchsfällen nichts zu tun. Er soll Ohrfeigen verteilt haben. Das ist auf jeden Fall etwas anderes als Mißbrauch. Ich finde es nicht gut, dass die  beiden Dinge zusammen in einen Topf geworfen werden."

Patrick Steinke

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Quelle: rosenheim24.de

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