Elf Tote bei Zug-Unglück bei Bad Aibling

"Menschlich unvorstellbar": Eine Chronologie der Katastrophe

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Eine Luftaufnahme zeigt das Ausmaß der schrecklichen Katastrophe vom 9. Februar bei Bad Aibling.
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Bad Aibling - Elf Tote, über 20 Schwerverletzte, 65 mittel bis leicht Verletzte, 800 Rettungskräfte – die fürchterliche Zug-Katastrophe von Bad Aibling ist das größte Unglück in unserer Region seit dem Eishallen-Einsturz von Bad Reichenhall im Januar 2006.

Die aktuellen Entwicklungen vom Samstag find Sie hier.

Das schreckliche Unglück zerstörte nicht nur zahlreiche Familien, sondern gilt nun auch als schwerster Bahn-Unfall in Deutschland seit dem fürchterlichen ICE-Crash im Jahr 1998 in Eschede mit 101 Toten.

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Lesen Sie hier eine Chronologie der Ereignisse in den letzten Tagen:

Dienstag, 9. Februar 

+++ 6.10 Uhr: Der Unglückszug mit der Zugnummer 76505 startet in Holzkirchen Richtung Rosenheim. 

+++ 6.37 Uhr: Der zweite Unglückszug, Zugnummer 75606, fährt am Bahnhof Rosenheim Richtung Holzkirchen ab. 

+++ vermutlich 6.44 Uhr: Zug 75606 verlässt laut eines Überlebenden den Bahnhof Kolbermoor wohl eine Minute früher als im Fahrplan vorgesehen.

+++ gegen 6.45 Uhr: Zug 76505 passiert den Haltepunkt Bad Aibling-Kurpark. Irgendwo zuvor hat sich der Zug eine Verspätung von etwa drei Minuten eingehandelt. Damit rasen die beiden Unglückszüge nun mit bis zu 100 km/h direkt aufeinander zu. 

+++ 6.48 Uhr: Auf Höhe des Klärwerks Bad Aibling kommt es zu dem fürchterlichen Zusammenstoß. Die Triebköpfe werden total ineinander verkeilt, mehrere Waggons entgleisen. 

+++ 6.53 Uhr: Die Integrierte Leitstelle schickt nach zahlreichen Notrufen die ersten Rettungskräfte zur Unglücksstelle. Die Meldung lautet "Bahnunfall". Dass es sich um eine absolute Katastrophe mit vielen Toten und zahlreichen Schwerverletzten handelt, ahnt zu diesem Zeitpunkt noch niemand. 

+++ ca. 6.57 Uhr: Die ersten Rettungskräfte, darunter Kräfte der Feuerwehr Bad Aibling, treffen an der Unglücksstelle ein. 

+++ ca. 7.00 Uhr: Die ersten Retter begreifen, welches Ausmaß dieses Unglückannehmen wird. Ein in der Region bis dato fast beispielloser Großeinsatz beginnt. In der Spitze sind bis zu 800 Kräfte mit insgesamt fast 300 Fahrzeugen daran beteiligt. 

Die ersten Fotos von der Unfallstelle:

Zugunglück in Bad Aibling: Die ersten Bilder vom Unfallort

+++ 8.22 Uhr: Die Polizei bestätigt die ersten acht Schwerverletzten. Insgesamt elf Hubschrauber sind inzwischen an der Unfallstelle eingetroffen. 

+++ 8.31 Uhr: Ein Polizeisprecher vor Ort bestätigt die ersten Todesopfer. Er spricht von „mehreren Toten“, zudem hätten in den Zügen rund 100 Personen gesessen. 

+++ 9.25 Uhr: Verschiedene Medien berichten, es gäbe acht Tote und 150 Verletzte. Die Zahl der Toten wird später in einer Zwischenbilanz von der Polizei bestätigt, die Anzahl der Verletzten jedoch nach unten korrigiert. 

+++ 10.05 Uhr: Feuerwehr und Rettungskräfte retten zahlreiche Verletzte aus den Wracks, vor allem mit Hubschraubern, da die Unglücksstelle zwischen Mangfalldamm, Mangfall und Ghersburgwald in nur schwer zugänglichem Gelände liegt. 

+++ 10.57 Uhr: Polizeisprecher Thalmeier bestätigt vor Ort acht Todesopfer

+++ 11.13 Uhr: Die Verletzten sind nun fast alle abtransportiert, dennoch geht die Suche in den Unglückszügen weiter. 

Luftaufnahmen von der Unfallstelle:

+++ 12.00 Uhr: Rotes Kreuz und andere Hilfsorganisationen rufen die Bevölkerung zu Blutspenden auf, weil die Vorräte in einigen Krankenhäusern offenbar knapp werden. 

+++ 12.11 Uhr: Der neunte Tote wird aus den Trümmern gezogen

+++ 12.45 Uhr: Eine Person wird offenbar noch vermisst. An der Unfallstelle machen sich Bundesverkehrsminister Dobrindt und Bayerns Innenminister Herrmann ein Bild von der Lage. 

+++ 13.40 Uhr: Bei einer Pressekonferenz im Bad Aiblinger Rathaus spricht Polizeipräsident Kopp von noch zwei Vermissten. 

+++ mittags: Die ersten Augenzeugen-Berichte erreichen die OVB24-Redaktion. Ein Insasse berichtet von „fürchterlichen Schreien“, „völliger Dunkelheit“ und blutverschmiert aus dem Zug torkelnden Fahrgästen

+++ 16.38 Uhr: Während die Spekulationen über die Ursache des Unglücks (technischer Defekt oder menschliches Versagen) sprießen, macht sich ein erster Rettungskran von Fulda aus auf den Weg zur Unglücksstelle. Aus Leipzig kommt später auch ein zweiter, kleinerer Kran.

+++ 17.19 Uhr: Die Polizei bestätigt ein zehntes Todesopfer. Diese Person ist in einem Krankenhaus verstorben. Ein Mensch wird weiterhin vermisst. Für diesen gebe es "kaum noch Hoffnung", so die Polizei. 

+++ 19.50 Uhr: Mehrere Medien berichten, eine verhängnisvolle Fehlentscheidung des Fahrdienstleiters im Stellwerk von Bad Aibling hätte die fürchterliche Kollision verursacht. Eine Information, die die Ermittler bis jetzt nicht bestätigt haben. 

+++ gegen 20.00 Uhr: In Trauerandachten gedenken hunderte Menschen in Bad Aibling und Kolbermoor den Opfern und beten für die Angehörigen und Verletzten.

>>>Live Ticker vom Dienstag zum Nachlesen<<<

Mittwoch, 10. Februar

+++ 6.30 Uhr: Immer mehr Augenzeugen schildern die schrecklichen Erlebnisse und berichten von „abgerissenen Körperteilen“ und von „unter Toten liegenden lebenden Patienten“. 

+++ 7.02 Uhr: Ein Fernsehsender berichtet von einem elften Toten. Es handle sich dabei um die bis dato noch vermisste Person. Das stellt sich hinterher als Falschmeldung heraus. 

+++ 8.50 Uhr: Die Kripo gibt bekannt, dass offenbar doch kein Mensch mehr vermisst wird

+++ 9.05 Uhr: Die zwei großen Kräne sind auf dem Schienenweg an der Unfallstelle eingetroffen. Die Bergung beginnt. 

+++ 9.15 Uhr: Ein grausames Handy-Video aus einem der Unglückszüge kursiert im Internet und sorgt bei allen für große Betroffenheit und Entsetzen.

+++ 10.50 Uhr: Experten suchen an der Unfallstelle nach der dritten Blackbox, die Aufschluss über die Ursache des Unfalls geben soll. Die beiden anderen Fahrtenschreiber waren bereits am Dienstag geborgen worden. 

+++ 12.55 Uhr: Ministerpräsident Seehofer trifft an der Unglücksstelle ein und ist tief betroffen vom Ausmaß der Katastrophe. Bei einer anschließenden Pressekonferenz spricht er von einer „furchtbaren Tragödie für ganz Bayern“. 

Pressekonferenz mit Ministerpräsident Seehofer:

Pressekonferenz von Ministerpräsident Seehofer

+++ 13.55 Uhr: Die Identität von neun der zehn Toten steht nun fest. Es handelt sich ausnahmlos um Männer aus der Region. Der zehnte Tote ist noch nicht identifiziert.  

+++ 14.20 Uhr: Laut Bundesverkehrminister Dobrindt ist die erste Blackbox ausgewertet. Es sei „kein technischer Fehler gefunden“ worden. Bahnchef Grube sagt in Bad Aibling: „Wir alle bei der Deutschen Bahn sind tief bestürzt und erschüttert über den furchtbaren Unfall!“ 

+++ 20.15 Uhr: Rosenheims Landrat Berthaler zeigt sich völlig geschockt: „Es ist menschlich fast unvorstellbar, wenn man die zwei zusammengerasten Züge, die Toten und Verletzten sieht!“ 

+++ 23.00 Uhr: Die Bergungsarbeiten sind an der Unglücksstelle laut einer Meridian-Meldung gut vorangegangen. Man rechne jedoch damit, dass die Strecke bis Anfang nächster Woche gesperrt bleibe.

>>>Live Ticker vom Mittwoch zum Nachlesen<<<

Donnerstag, 11. Februar 

+++ 7.45 Uhr: Die Identität des zehnten Todesopfers ist geklärt. Es handelt sich um einen 38-jährigen Mann aus Brandenburg. 

+++ 9.15 Uhr: mangfall24.de erfährt exklusiv, woher die Toten stammten und wie alt sie waren. Acht der bisher immer noch zehn Opfer kommen aus dem Landkreis Rosenheim. 

+++ 12.05 Uhr: Noch sind nicht alle Verletzten über den Berg. Die Polizei gibt per Pressemitteilung bekannt, dass sich „mehrere Schwerverletzte noch in kritischem Zustand in Kliniken“ befinden. 

+++ mittags: Die Bergung der Züge geht weiter voran, Waggons werden Richtung Heufeld bzw. Rosenheim abtransportiert. Das Ganze ist jedoch auch mit einer großen Gefahr für die Helfer verbunden, weil die verkeilten Zugteile unter starker Spannung stehen.

Fotos von der Unfallstelle am Donnerstag:

Bilder von der Bergung der verkeilten Zugteile am Donnerstag

+++ 15.35 Uhr: Die Schadenshöhe steht immer noch nicht genau fest. Es muss aber von mehreren Millionen Euro ausgegangen werden

+++ 17.05 Uhr: Wo bleiben die Ergebnisse der zweiten Blackbox? Medien melden, dass die Auswertung bereits vorliegen und in Kürze veröffentlicht würde. Das erweist sich jedoch als nicht richtig. 

+++ 17.15 Uhr: Die Polizei bestätigt ein elftes Todesopfer. In einer Klinik erliegt ein 47-Jähriger aus dem Landkreis München seinen schweren Verletzungen. Damit ist die Katastrophe von Bad Aibling endgültig das schwerste Zug-Unglück in Deutschland seit Eschede 1998.

>>>Live Ticker vom Donnerstag zum Nachlesen<<<

Freitag, 12. Februar

+++ 6.35 Uhr: Ein Experte für Verkehrshaftung erklärt via Bild, dass den Angehörigen jedes Toten binnen 15 Tagen mindestens 21.000 Euro ausgezahlt werden müssten. Wenn es sich bei einem Opfer z.B. um den "Ernährer" einer Familie handelt, können bis zu 600.000 Euro fällig werden. 

+++ 10.45 Uhr: Die dritte Blackbox wird an der Unfallstelle gefunden und sichergestellt. Diese ist jedoch stark deformiert.

Fotos von der Unfallstelle am Freitag:

+++ 12.15 Uhr: Auch am dritten Tag nach dem Unglück ringen einige Verletzte noch mit dem Tod. Die Polizei bestätigt erneut, dass sich "mehrere Patienten" noch in akuter Lebensgefahr befinden.

+++ 14.10 Uhr: Medien berichten, ein Fahrdienstleiter habe kurz vor dem Todes-Crash noch versucht, die beiden Unglückszüge durch Notrufe zu stoppen - leider vergeblich! Von der Polizei gibt es weder eine Bestätigung noch ein Dementi.

+++ 14.40 Uhr: Die zweite Blackbox ist ausgewertet! Das Bundesverkehrsministerium sagt, dass vom Lokführer, der von Holzkirchen nach Rosenheim fuhr, keine Signale missachtet wurden!

+++ 16.38 Uhr: Medien berichten, dass die dritte, stark deformierte Blackbox lesbar sein soll. Sie könnte entscheidend zur Aufklärung des Unfallhergangs beitragen.

>>>Live Ticker vom Freitag zum Nachlesen<<<

mw

Quelle: mangfall24.de

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